Ganz nach dem Jubiläumsmotto "Gemeinsam feiern".
Ganz nach dem Jubiläumsmotto "Gemeinsam feiern".
Quelle: StVw

Mit einer erfolgreichen Premiere ist der Höhenstadtteil Freiolsheim in sein Jubiläumsjahr gestartet. Der erstmalige Neujahrsempfang am 19. Januar war ein gelebtes Beispiel für die an diesem Abend oft zitierte besondere Dorfgemeinschaft. Vor allem war während der Feier spürbar, was Ortsvorsteher Ferdinand Schröder in einem Satz zusammenfasste „Freiolsheimer zu sein ist für mich eine Freude und keine Verpflichtung. Ich bin stolz auf meine Heimat“.

Was er an seinem Heimatort schätzt und was ihm am Herzen liegt, brachte er in seiner Rede sehr anschaulich und nachvollziehbar zum Ausdruck. So betonte der Ortsvorsteher insbesondere die Werte, die für ihn „Grundsteine des Zusammenlebens“ darstellen. Als wesentlich nannte er einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. „Jeder wird mit seinen Stärken und Schwächen in unserer Gemeinschaft gebraucht“. Zum Stichwort Engagement stellte Schröder fest, „dass sich einige Bürger überdurchschnittlich engagieren. „Es darf sich aber nicht auf einige wenige konzentrieren. Engagement wird auch in Zukunft von Nöten sein“, machte er deutlich, dass zur Eigenverantwortung auch die Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft zähle. Besonders am Herzen liege ihm „Ehrlichkeit“. Es sei schädlich, „anderes zu sagen, was man denkt“. Konflikte sollten angesprochen und diskutiert werden. Dazu passend erläuterte er auch seine Vorstellung von Integrität, bei der es auch darum gehe, Wertevorstellungen weiter zu vermitteln und sich „nicht zu verstellen“.  Freundlichkeit sollte eigentlich selbstverständlich sein, meinte er. Umso bedauerlicher sei, dass sie zunehmend in den Hintergrund gedrängt werde. Elementar in einer Gemeinschaft sei zudem die Hilfsbereitschaft. Gerade auch Familien und ihre Kinder gelte es zu unterstützen und ihnen bestmögliche Unterstützung zu bieten. Welche Folgen der Verlust von Werten habe, sei täglich in den Nachrichten sichtbar. Für Schröder sind sie unabdingbar, „Werte sind Wegweiser auf dem Lebensweg“. Gelebt werden sie insbesondere durch die Vereine, freute er sich, dass zwei Drittel aller Freiolsheimer in einem Verein engagiert sind.

Der Ortschaftsrat hat sich im Rahmen von „Zukunft 2030“ mit aktuellen Themen und der Zukunft des Ortes beschäftigt. Dazu wurde eine Bürgerbefragung durchgeführt und auf deren Basis ein Maßnahmenkatalog entwickelt. Um die Einwohnerzahl zu halten, sei es nötig, neue Baugebiete zu ermöglichen, den Kindergarten zu erhalten aber auch das Vereinsleben. So freute er sich an diesem Abend vor allem auch über die gelungene Erweiterung der Mahlberghalle und das dabei geleistete bürgerschaftliche Engagement.

Ohne die Ehrenamtlichen wäre auch das Jubiläumsjahr nicht zu stemmen, verwies er auf den gegründeten Arbeitskreis zum Jubiläum. „Viele Menschen haben nachgedacht, gewerkelt und einfach gemacht, damit es ein besonderes Jahr wird. Sein ausdrücklicher Dank galt seiner Stellvertreterin Heide Glasstetter, die „mit einzigartigem Engagement alles begleitet und koordiniert“.  Sie stellte im weiteren Verlauf des Abends das Programm zum Jubiläum vor.

Dabei bilden bereits bestehende Aktivitäten und Festivitäten die Basis. Ziel des Arbeitskreises war es, in jedem Monat mindestens eine Veranstaltung rund um das Jubiläum zu initiieren. Nunmehr dürfen sich die Bürger und Gäste auf über 34 Veranstaltungen an 40 Tagen freuen. Neu sind beispielsweise ein ökumenischer Gottesdienst, die Koppelung des Seniorennachmittages mit einem Bürgertreff und vor allem das „Weiße Fest“ am 6. Juli, mit dem das Jubiläum gebührend gefeiert werden soll. Zum Jubiläum wurde zudem ein Freiolsheimer Rundweg entworfen, auf dem es geführte Wanderungen geben wird. Sichtbar wird das Jubiläum zudem an den Ortseingängen und schon bald über 450 Holzblumen in den Gärten des Ortes; weitere können noch bestellt werden.

„Das Jubiläum hat viel Energie freigegeben und wir hoffen, dass unser Aktionsvirus weitere Personen infiziert“, warb Glasstetter um Helfer. Das Motto des Jubiläumsjahres (Vergangenheit Gegenwart Zukunft Gemeinsam feiern) erklärte sie wie folgt: „Die Vergangenheit nehmen wir zum Anlass in der Gegenwart gemeinsam zu feiern, um die Zukunft unserer Dorfgemeinschaft weiterhin aktiv und lebendig zu gestalten.“

Ein Blick in die Geschichte

Quasi als Geschichtenonkel gab Oberbürgermeister Christof Florus einen kleinen Einblick in die Geschichte des Höhenstadtteils, der immerhin 24 Jahre vor Gaggenau urkundlich erwähnt wurde.  Bevor Freiolsheim 1971 zu Gaggenau kam, waren zunächst Moosbronn und Mittelberg zu Freiolsheim gekommen – 1925 und 1930. Die  Eingemeindung Freiolsheim erfolgte 1971. Dabei sei einmal mehr das Benzwerk Pate gestanden, meinte Florus mit Blick darauf, dass über Generationen hinweg viele Freiolsheimer beim Benzwerk gearbeitet haben und so der Weg in Richtung Gaggenau vorgeebnet war. „Doch nicht nur die Freiolsheimer hatten etwas von Gaggenau – mit der Eingemeindung bekamen jetzt auch die Gaggenauer etwas von Freiolsheim“, wies Florus auf den landschaftlichen wie auch auf den nachhaltig geschichtlichen Zugewinn hin: Der beliebte Wallfahrtsort, die historische Grenze zwischen Baden und Württemberg sowie Mittelberg als Ursprung der Gaggenauer Glasindustrie.

Das  Symbol der Weidewirtschaft im Wappen Freiolsheim verdeutlicht die Bedeutung, die die Viehhaltung über Jahrhunderte in Freiolsheim hatte. Gelitten hat der Ort, der unter wechselnder Herrschaft war, immer wieder auch unter Kriegen. „Trotzdem ging die Entwicklung letztlich immer nach vorne – von rund 30 Einwohnern Ende des 17. Jahrhunderts in Freiolsheim bis hin zu 763 Bürgerinnen und Bürgern, die heute in Freiolsheim, Moosbronn und Mittelberg wohnen“, stellte OB Florus fest. Typisch für die Freiolsheimer sei ihr bürgerschaftliches Engagement, erinnerte das Stadtoberhaupt an beispielhafte Einsätze  bei „Gaggenau räumt auf“ oder wie aktuell beim Umbau der Mahlberghalle samt Küchenerweiterung und -modernisierung. Die Freiolsheimer haben dabei selbst den kompletten Roh- und Innenausbau samt Außenanlage übernommen. „Hier hat die Dorfgemeinschaft Großartiges geleistet“, lobte Florus die Helfer sowie das herausragende Engagement von Ferdinand Schröder und dem ehrenamtlichen Bauleiter Peter Wurst. Deutlich werde die Tatkraft und der Ideenreichtum der Freiolsheimer auch bei der Vorbereitung des Jubiläumsjahres, „das sicherlich auch viele Gäste anlocken wird“.

Überraschung des Abends

Er ist auf den Bühnenbrettern Zuhause, hat in unzähligen Filmen und Serien mitgewirkt und er stammt aus Freiolsheim. Die Rede ist von Schauspieler Ralf Bauer, der seine Wurzeln in dem Höhenstadtteil hat und bis heute regelmäßig in der Heimat vorbeischaut. Am Samstagabend hat allerdings niemand damit gerechnet, dass er den Neujahrsempfang mit Gedichten und humorvoll rezitierten Worten bereichern wird. Ortsvorsteher Ferdinand Schröder war die Freude über den besonderen Überraschungsgast ins Gesicht geschrieben. Er freute sich, dass der in Hamburg lebende Schauspieler für „eine Vesperplatte und ein Bier“ für den besonderen Abend engagiert werden konnte. „Dort wo du alles gelernt hasch, was heut kannsch“. Also die Worte von Goethes Faust, das Erklären der Politik anhand von zwei Kühen und die Wiedergabe von kindlichen Erklärungen zu den großen Fragen der Menschen. „Ein großartiger Schauspieler, ein großartiger Charakter, ein ganz normaler Mensch“, fasste Schröder am Ende den Auftritt zusammen. Und Ralf Bauer bekannte, dass er viele Erinnerungen abgespeichert habe, wie den Geschmack von Heidelbeeren, Himbeeren und auch frischem Kesselfleisch. Nach der auflockernden Einlage, hofft man in Freiolsheim, dass Ralf Bauer auch am 6. Juli wieder da sein kann. Für ihn würde auch eine Ausnahme gemacht: Er müsse nicht in weißer Kleidung erscheinen.

Zum Gelingen des Abends trugen aber auch die Musiker des Musikvereins Harmonie unter Tobias Klausmann bei. Sie ließen unter anderem den Fliegermarsch erklingen und malten die „Böhmischen Sterne“ musikalisch aus. Bernd Schöller (Klavier) und Bernd Werner (Cajon) hatten auf den Empfang eingestimmt. Kulinarische Leckerbissen, ein Café-Mobil sowie eine Fotobox, die originelle Erinnerunsgfotos ermöglichte, rundeten den Abend in der äußerst geschmack- und liebevoll dekorierten Halle ab.

Zeitzeugen eines ganz besonderen Jahres - 1971

Nachdem sich im August 1971 75 Prozent der Wahlberechtigten für einen Zusammenschluss mit der Stadt Gaggenau ausgesprochen haben, begann für Freiolsheim eine neue Zeit.

Am 30. Januar 1972 wurde zudem auch der württembergische Teil von Moosbronn eingegliedert. Von 33 Bewohnern aus Moosbronn haben sich 19 für eine Eingliederung zu Freiolsheim und damit für die große Kreisstadt Gaggenau entschieden. OB Dahringer hat der Gemeinde Bernbach damals eine Ablösesumme von 40.000 Mark überwiesen. Maßgeblich beteiligt waren auch in dieser Zeit Bürger,  denen das Gemeindewohl am Herzen lag. Ferdinand Schröder und Heide Glasstetter nutzten deshalb den Rahmen des Neujahrsempfangs um ihren Vorgängern, den so genannten Bezirksbeiräten, zu danken, die von 1971 bis 1980 dafür gesorgt haben, dass eine optimale Eingemeindung von Freiolsheim mit Moosbronn und Mittelberg zur Stadt Gaggenau erfolgte.

15 Männer waren es damals, drei von ihnen konnten die Würdigung am Samstagabend entgegennehmen. Dies waren Alfred Dreixler, Hermann Korn und Günther Seiler. Nachgereicht wird sie an Egon Bauer und Rudi Bitsch. Die Themen waren mit Haushaltberatungen, Bebauungsplänen, Schülerbeförderung, Friedhofsituation sowie Kindergarten ähnlich wie Heute. „Wir bedanken uns für eure vielfältigen Verdienste um die Ortschaft Freiolsheim mit Moosbronn und Mittelberg, insbesondere für das Engagement als Bezirksbeirat in der Zeit nach der Eingemeindung zur Stadt Gaggenau im Jahr 1971“, betonte Schröder. Neben einer Urkunde erhielten sie einen bepflanzten Holzschuh – passend zum Necknamen „Holzschuhbohrer“.

Hier gibt es weitere Infos zum Jubiläumsjahr.