Stadtarchiv
Nur erahnen lässt sich wie viel Leid die Luftangriffe auf Gaggenau für die Menschen damals brachte.
© Stadtarchiv

Zweihundert Menschen verloren ihr Leben. Unzählige Häuser und Gebäude stürzten ein. Zwei Fliegerangriffe sorgten vor 75 Jahren dafür, dass in Gaggenau nichts mehr war wie es war. Bis heute sind die Spuren dieser Schicksaltage erkennbar. Denn historische Gebäude in der Stadtmitte sucht man nahezu vergebens. Die Stadt Gaggenau lädt deshalb gemeinsam mit der katholischen und evangelischen Kirche am Dienstag, 10. September zu einem Gedenkgottesdienst ein.

Wer heute in alten Aufzeichnungen von damals blättert, kann das ungeheure Ausmaß dieser beiden Luftangriff nur erahnen. Bilder sowie Berichte von Zeitzeugen zeigen die katastrophalen Auswirkungen und die unzähligen Schicksalsschläge auf. Während des Zweiten Weltkriegs war Gaggenau zweimal Ziel von Fliegerangriffen der Alliierten Luftstreitkräfte. Insbesondere Ziele mit militärisch-rüstungswirtschaftlicher-logistischer Bedeutung sollten getroffen werden. Im Blick hatten die amerikanischen Luftstreitkräfte die „Daimler-Benz-AG“ sowie die „Gottfried Lindner A.G.“ (zwischen Hilda- und Luisenstraße), die Fahrzeugaufbauten herstellte. Es war ein äußerst schöner Herbstsonntag, bis es 10.50 Uhr „Vollalarm“ gab und vor „Bombern“ gewarnt wurde. Fünf Minuten später wurde Gaggenau  in einen Trümmerhaufen verwandelt. Rechnet man die abgeworfenen 412 Tonnen auf die Standardbeladung eines B 17 Bombers um, dann waren über 200 Bomber bei dem Angriff auf Gaggenau im Einsatz. Gaggenau war ein einziges Flammenmeer und schwer getroffen. Ganze Straßenzüge wurden in der Industriestadt zerstört und zahlreiche Familien ausgelöscht. Es wurden knapp 200 Opfer gezählt, darunter 59 Kinder. Nach den Luftangriffen am 10. September 1944 und 3. Oktober 1944 war die Stadt Gaggenau zu 70 Prozent zerstört. 2.123 Gebäude waren beschädigt oder komplett zerstört, darunter sämtliche öffentliche Gebäude wie das Rathaus, Kirchen, Schulen, Altersheime, Kindergärten, der Bahnhof, die Post und das medizinische Kneipp- und Heilbad. Lediglich 117 Gebäude blieben unversehrt.

Darunter war die Siedlung an der Alois-Degler-Straße das Eisenwerk (später Gaggenauer Werke), der Glasersteg und die zum Eisenwerk führenden Gleisanlagen. Die dortige Bevölkerung lebte bis zum Kriegsende in ständiger Angst vor weiteren Angriffen auf diese kriegswichtige Industrieanlage.  Die Beisetzung der Opfer vom 10. September 1944 fand fünf Tage nach dem Ereignis auf dem Waldfriedhof in Gaggenau statt. Des Weiteren wurden über 111 Verletzte gezählt, die in die umliegenden Krankenhäuser Baden-Baden, Gernsbach und Rastatt eingeliefert wurden. Der zweite Luftangriff erfolgte am Dienstag, 3. Oktober 1944 von 11.45 bis 12.15 Uhr. In diesen 30 Minuten wurde Gaggenau in fünf Wellen mit je etwa 30 Flugzeugen in großer Höhe angegriffen. Im Gegenzug zum ersten Angriff wurden diesmal schwere Sprengbomben mit über 500 Kilogramm abgeworfen. In der Hauptsache wurde die Daimler-Benz-AG vernichtend getroffen. Die Toten wurden am 6. Oktober beerdigt.

Zum Gedenken an die Opfer und dem Leid der Hinterbliebenen und Überlebenden, veranstalten die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Zusammenarbeit mit der Stadt Gaggenau einen Gedenkgottesdienst am Dienstag, 10. September, 19 Uhr, in der katholischen Kirche St. Josef. Der katholische und evangelische Pfarrer werden den Gottesdienst gestalten. Oberbürgermeister Christof Florus hält eine Gedenkansprache. Der katholische Kirchenchor St. Josef und St. Marien, der MGV Sängerbund Gaggenau, der Gewerbe-Gesang-Verein Gaggenau und der evangelische Kirchenchor umrahmen das Programm mit würdevollen Liedern. Interessierte Bürger sind hierzu eingeladen.