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Gaggenau ist einer landesweiten Initiative gegen Motorradlärm beigetreten
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Gemeinsam aktiv werden gegen Motorradlärm: Bei einem Treffen des Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung und kommunalen Vertretern fiel vergangene Woche der Startschuss für eine gemeinsame Initiative von Land und Kommunen gegen Motorradlärm.

Auf Einladung des Lärmschutzbeauftragten, Thomas Marwein MdL und Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden kamen Vertreterinnen und Vertreter aus 30 lärmgeplagten Kommunen in Stuttgart zusammen. Darunter war auch Bürgermeister Michael Pfeiffer. Ziel der landesweiten Initiative ist es, mit vereinter Kraft dem weit verbreiteten Problem Motorradlärm in der Öffentlichkeit deutlich mehr Gewicht zu verleihen und mit einer Stimme an politische Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union heranzutreten.

Ein gemeinsamer Forderungskatalog zur Eindämmung von Motorradlärm soll mit Unterstützung des Verkehrsministeriums bis Frühjahr 2020 ausgearbeitet werden.

Ansatzpunkte aus Sicht der Kommunen sind:

  • Leisere Motorräder durch Herstelle

  • Erwirkung einer ambitionierten Novellierung der Genehmigungs- und Zulassungsregelunge

  • Drastischere Strafen für Manipulatione

  • Neue Verfahren hinsichtlich Messverfahren und Zulassunge

  • Geräuschmessungen zur Unterstützung der polizeilichen Kontroll

  • Definition von Geräuschgrenzwerte

  • Frontkennzeichen für Motorräde

  • Allgemeine Halterhaftung

Für den Lärmschutzbeauftragten ist Motorradlärm vielerorts eine echte Plage: „Der Zusammenschluss so vieler Gemeinden ist ein deutlicher Weckruf, dass gegen Motorradlärm dringend vorgegangen werden muss“, sagte Marwein. Darauf hofft auch Bürgermeister Michael Pfeiffer, der darauf hinwies, dass insbesondere landschaftlich reizvolle und kurvigen Strecken Motorradfreunde locken und damit gleichzeitig die betroffenen Kommunen in Sachen Lärmschutz herausfordert. Gleichzeitig warnte er aber auch vor einer Vorverurteilung aller Motorradfahrer: „Unsere Initiative richtet sich nicht gegen das Motorradfahren allgemein, sondern gegen unvernünftiges Lärm verursachendes Fahren“. Die Schwäbische Alb, Schwarzwald, Löwensteiner Berge, Odenwald und Bergstraße gelten als Lärmhotspots. Aber auch Kurorte, historische und moderne Städte und Gemeinden im Land ziehen Motorradfahrer an. Entsprechend beteiligen sich Kommunen aus allen Teilen des Landes an der Initiative.

Mit der Berufung eines Lärmschutzbeauftragten nimmt Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle beim Lärmschutz ein. Kein anderes deutsches Bundesland verfügt über ein solches Amt. Ziel ist es, dem Lärmschutz mehr Gewicht in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion zu verleihen und im Bund die rechtlichen Grundlagen für die Vermeidung von Geräuschemissionen zu schaffen. Die Handlungsmöglichkeiten zur Eindämmung von Motorradlärm sind für Kommunen und das Land derzeit gering – wichtig ist es deshalb, die Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Mögliche Ansatzpunkte für spürbare Verbesserungen hinsichtlich des Motorradlärms wären beispielsweise geänderte Zulassungsregelungen für Motorräder durch leisere Bauweise und Anpassungen der Straßenverkehrsordnung in Form von Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Verkehrsverboten an neuralgischen Punkten und Zeiten, wie beispielsweise an Sonn- und Feiertagen in Erholungsgebieten. Die Verantwortlichkeiten für solche Änderungen liegen jedoch weder bei den Kommunen noch beim Land, sondern beim Bund und auf europäischer Ebene.

Hintergrundinformationen

Motorräder haben bedingt durch ihre Bauart ein erhebliches Lärm- und Geräuschent-wicklungspotential. Hinzu kommen legale Umbauten und illegale Manipulationen, die den „Sound“ deutlich ansteigen lassen und dazu beitragen, dass dieser häufig als „aggressiv“ empfunden wird. Auch die Fahrweise, wie ständiges und starkes Beschleunigen und hochtouriges Fahren lassen den Lärmpegel zusätzlich ansteigen.