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 Achim Benz (2.v.l.) macht Minister Hauk auf Wildschwein- und Wolfproblematik aufmerksam.
Achim Benz (2.v.l.) macht Minister Hauk auf Wildschwein- und Wolfproblematik aufmerksam.
© Stvw.

30.07.2020

Der ländliche Raum liegt Minister Peter Hauk am Herzen. Umso mehr zeigte er sich bei einer Tour durch das Murgtal am vergangenen Montag beeindruckt von zwei Projekten in Gaggenau. So informierte er sich über die Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes im Stadtwald und über wirksame Landschaftspflege durch Beweidung. Treffpunkt für die Delegation aus Stuttgart sowie Regierungspräsidentin Sylvia Felder, Oberbürger Christof Florus und Landrat Toni Huber war der Michelbacher Gumpen. Von dort aus führte ein kleiner Marsch durch den Wald die Gruppe zur Station „Waldrefugium am Münzberg“. Dort erläuterte Bezirksleiter Markus Krebs das Alt- und Totholzkonzept wie es seit 2015 in Gaggenau umgesetzt wird. Dabei gründet das Konzept auf zwei Hauptbausteine, einmal die Waldrefugien und einmal die Habitatbaumgruppen. Bei Waldrefugien handelt es sich um Bestände, in denen keine Holznutzung mehr stattfindet und die der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Knapp 79 Hektar (5,2 Prozent der Gesamtwaldfläche) sind als Refugien ausgewiesen. Sie sind über die gesamte Waldfläche verteilt, ihre Größe variiert zwischen 0,5 und 8 Hektar. Das Waldrefugium am Münzberg ist ein 3,8 Hektar großer Alteichenbestand mit Anteilen von Kiefer, Buche und Hainbuche. Ökonomisch ist es von schlechtem Wert. Ökologisch betrachtet weist es jedoch einen hohen Wert auf, unter anderem brütet hier der Mittelspecht, berichtete Krebs. Bei den Habitatgruppen handelt es sich um kleinere Gruppen von jeweils etwa 10 bis 15 Bäumen, die ebenfalls nicht mehr genutzt werden. Sie ergänzen die Waldrefugien und werden sukzessive im Rahmen regulärer Holzerntemaßnahmen ausgewiesen und vor Ort markiert. Aktuell liegt die Zahl bei 53 Habitaten. Tendenz steigend. Minister Hauk zeigte sich beeindruckt von den zahlreich nachweisbaren positiven Wirkungen für die Biodiversität im Wirtschaftswald. „Ich freue mich, wenn dieses Erfolgskonzept weiterhin so beispielhaft umgesetzt wird, wie hier in Gaggenau, und sich weitere Waldbesitzende dafür entscheiden“, sagte Minister Hauk.

Revierförster Jochen Müller erklärte ergänzend die Ökokonto-Verordnung. Aktuell hat der Stadtwald 3,1 Millionen Ökopunkte, die als Ausgleich für Eingriffe in Natur- und Landschaft eingesetzt werden können.

 

Biobauer Achim Benz macht auf Probleme aufmerksam

Die zweite Station bildeten Weiden des Eckenbachhof, der von Anna Maria und Achim Benz bewirtschaftet wird. Der Ökobetrieb hält 12 Mutterkühe im Nebenerwerb und leistet durch die Beweidung von Grünlandflächen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft. An diesem Beispiel betonte Minister Hauk die Bedeutung der Landschaftspflegerichtlinie als bewährtes Förderinstrument. „Landschaftspflegeverträge fördern die extensive und naturschutzgemäße Bewirtschaftung im Grünland. Dessen Nutzung und Erhalt sind auch elementar mit einer wertschöpfenden Viehhaltung verbunden“, so der Minister. 37 Hektar Wiesen und Weiden gehören zu dem Hof. Neben den Kühen hat Benz noch Schwäbisch-Hallische Landschweine. Das Fleisch der Tiere wird direkt an den Endkunden verkauft. Benz wies im Gespräch mit Minister Hauk auf die Probleme hin, die sich ihm durch Wildschweine und den Wolf stellen. Er forderte, dass aktiv etwas gegen die Ausbreitung des Wolf unternommen werde, da dieser nicht mit den Weidetieren zusammen funktioniere. „Der Wolf muss gemanagt werden“, stimmte Hauk zu, der für ein Konzept plädierte, dass die Bejagung auf Weideflächen ermöglicht und gleichzeitig dem Artenschutz des Wolfes gerecht werde.

Zu einer tierfreundlichen Nutztierhaltung gehöre auch eine schonende Schlachtung, kündigte Hauk so genannte mobile Schlachtboxen an, die direkt auf den Weiden eingesetzt werden können – ohne Stress für die Tiere. Stolz auf den Vorzeigebetrieb in Michelbach sprach auch aus den anerkennenden Worten von OB Florus. Die hochrangig besetzte Delegation war sich einig, dass der ländliche Raum weiter gestärkt werden muss. „Das entlastet auch die Städte“, meinte Hauk.

„Der Ländliche Raum ist die Stärke Baden-Württembergs. Er ist die ökonomische und ökologische Kraftquelle des Landes und bietet attraktive Arbeitsplätze, ein lebendiges Gemeindeleben und vielfältige Kulturlandschaften für einen naturnahen Tourismus. Unser Ziel sind gleichwertige, attraktive Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Auf Ebene der Landesregierung fördert der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum in gemeinsamer Zusammenarbeit aller Fachressorts gezielt und effektiv die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Ländlichen Raums“, resümierte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Montag

Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) hat sich seit 25 Jahren in Baden-Württemberg bewährt. Seine flexible Leistungsfähigkeit zeigt das ELR auch in der Corona-Krise. Weil für Betriebe und Unternehmen schnelle Hilfen nötig sind, „haben wir in diesem Jahr unterjährige Programmentscheidungen eingeplant. Bis Ende August können hier weitere Anträge gestellt werden. Damit leistet das ELR auch in schwierigen Zeiten effiziente Strukturhilfe“, warb der Minister für das zentrale Förderprogramm.