Visualisierung im Bereich Ottenau, Höhe Max-Roth-Straße
Visualisierung im Bereich Ottenau, Höhe Max-Roth-Straße
Quelle: Verkehrsministerium Baden-Württemberg

Jüngst wurden die Planungen für das Projekt „eWayBW“ durch Vertreter des Verkehrsministeriums im Bürgersaal des Rathauses der Öffentlichkeit vorgestellt. Am kommenden Montag entscheidet der Gemeinderat über seine Zustimmung zu dem Testversuch. Anhand von sich in Diskussionen ergebenden Fragen, gaben die Ministeriumsvertreter ausführliche und verständliche Antworten. So wurde unter anderem zugesichert, dass die Infrastruktur nach dem dreijährigen Pilotprojekt auf Kosten des Landes abgebaut wird, sofern nicht ein Weiterbetrieb erfolgt. Positiv war auch die Nachricht, dass davon ausgegangen werden kann, dass der Ausbau des Autobahnanschlusses Rastatt Nord zur Verbesserung des Verkehrsflusses kommen soll.

Insgesamt wird mit Kosten von 17,6 Millionen Euro für das Projekt Oberleitung gerechnet. „Forschung ist nie wirtschaftlich“, entgegneten sie Kritikern. Die B462 wird die erste elektrifizierte Bundesstraße weltweit. „Im Murgtal wird damit einmal mehr Automobilgeschichte geschrieben“, meinte Marcel Zembrot vom Verkehrsministerium. Die Bundesstraße sei aus gleich mehreren Gründen besonders geeignet. Die Angst, dass mehr Lkw auf der Straße sein werden, konnte er ausräumen. „Es sind keine zusätzlichen Lkw unterwegs“, sondern andere, die leiser und schadstoffarm unterwegs seien.

Zu den Antworten auf die im Gemeinderat und in der Bevölkerung aufgekommenen Fragen, wurde bei der Infoveranstaltung Nachfolgendes erläutert.

Das ist doch der komplett falsche Ansatz!
Da der Güterverkehr weiter anwächst, sind treibhausgasarme oder-neutrale Antriebstechnologien dringend erforderlich. „eWayBW“ ist eine ergebnisoffene Evaluierung der Oberleitungs-Lkw unter realen Einsatzbedingungen.

Warum im Murgtal?
Eine vergleichbare Strecke war sonst in ganz  Baden-Württemberg nicht zu finden. Die Spedition Fahrner in Kuppenheim hatte die B462 vorgeschlagen, da sie regelmäßig zwischen Obertsrot und Kuppenheim unterwegs ist. Der erwartete Erkenntnisgewinn ist so hoch, dass Wirtschaftlichkeit auch bei Rückbau gegeben ist.

Was haben wir im Murgtal davon?
Als Chancen wurden genannt: Das Murgtal wird Schaufenster für eine neue Mobilität, das bundesweite Interesse an der Strecke ist jetzt schon groß. Zum Lärm: In Obertsrot verbessert sich die Situation auf jeden Fall und es wird ein Lärmmonitoring im Rahmen der Begleitforschung geben. Interessant ist zudem, dass es eine streckenparallele Bahnlinie mit Gleisanschlüssen gibt, so dass begleitend das Verlagerungspotential erforscht werden kann.

Warum gibt es kein Planfeststellungsverfahren?
Dies ist für das Pilotprojekt nicht notwendig, da keine wichtigen öffentliche Belange oder Rechte Dritter aus Grundstückseigentum diesem entgegenstehen. Dies wurde bereits geprüft, insbesondere Natur- und Landschaftsschutz sowie die Umweltverträglichkeit wurden gutachterlich untersucht. Sofern die Oberleitungen jedoch nach dem Projekt bestehen bleiben, wird es ein solches Verfahren geben.

Wie wird die Maßnahme umgesetzt?
Die Ausschreibung erfolgt noch in 2018 in einem offenen Verfahren. Es wurde zugesagt, dass viele Arbeiten außerhalb des Verkehrsraums laufen. Dennoch sind Eingriffe in den Verkehr nicht vermeidbar, da die Arbeiten von der Fahrbahn aus erfolgen müssen. Die Prozesse werden auf die Minimierung der Eingriffe hin optimiert. Die Arbeiten erfolgen in fünf Abschnitten durch zwei parallel arbeitende Kolonnen. Alle Anschlussstellen stehen dadurch dauerhaft zur Verfügung. Verkehrskritische Arbeiten sollen in den Sommerferien erfolgen. Notwendige Vollsperrungen im einspurigen Teilbereich Ottenau für das Aufhängen der Oberleitungen sollen nur nachts erfolgen.