Wohl die wenigsten Schulen halten eigene Ziegen.
Wohl die wenigsten Schulen halten eigene Ziegen.
Quelle: StVw

Die Gaggenauer Realschule ist die erste weiterführende Schule, die sich ab sofort mit dem Prädikat „Naturparkschule“ schmücken darf. Vergangene Woche unterzeichneten Oberbürgermeister Christof Florus, Schulleiter Axel Zerrer und Yvonne Flesch vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord die entsprechende Kooperationsvereinbarung.

Bei der Feierstunde sowie einem kleinen Rundgang wurde deutlich, dass es nur konsequent ist, dass die Realschule nun auch Naturparkschule ist. „Wir beschreiten den Weg schon länger, jetzt haben wir noch den passenden Rahmen dazu gefunden“, stellte Schulleiter Zerrer erfreut fest, dass nun die dahinterstehende Philosophie noch stärker ins Schulprofil eingebunden wird. Schon in den letzten Jahren war es dem Kollegium wichtig, die Themen Natur, Umwelt und Umgebung in den Schulalltag zu integrieren.

Insbesondere auch in Arbeitsgemeinschaften wurden viele Möglichkeiten der praktischen Auseinandersetzung geboten. Schon länger hält die Schule Hühner, Ziegen, Kaninchen und Bienen, um den Kindern über eigene Erfahrungen und Emotionen mehr Hintergrundwissen zu vermitteln. Schulleiter Zerrer erklärte, dass das gesamte Kollegium hinter der Entscheidung stehe, Naturparkschule zu sein. „Wir machen das für unsere 600 Schüler“. 

Wie die beiden Fachlehrer Nicolai Szymanski und Dirk Böhmer sowie Umweltpädagogin Manuela Riedling (Naturpark) betonten, sind die Elemente auf den Lehrplan abgestimmt, so dass jede Klassenstufe alljährlich auch einen anderen Schwerpunkt hat.

Nutztierhaltung, Holz, Streuobst, Heimatgeschichte

Während in der fünften Klasse die Nutztierhaltung im Vordergrund steht, geht es in Klasse 8 beispielsweise darum sich mit dem Thema Streuobst zu beschäftigen. Dabei werden nicht nur Äpfel gesammelt und eigener Saft gepresst, sondern eben auch vermittelt, welche Bedeutung die Anlagen für die Region haben, warum sie für das Murgtal und die Natur bedeutungsvoll sind. Der eigene Schulgarten steht im Focus der sechsten Klasse. Demnächst soll dort auch noch ein Gewächshaus errichtet werden. Vom Baum zum Brett heißt das Motto beispielsweise in der 7. Klasse. Auch hier geht es nicht allein um den Weg vom Wald in die Möbelfabrik, sondern um die Bedeutung des Waldes, ums Holz und wie Sägewerk gearbeitet wird. Egal, ob nun im Schulgarten eigene Kräuter gezogen und in der Schulküche verarbeitet werden oder mit dem Imker die Waben geschleudert werden – immer geht es um das Ganze, um den Bezug zur Natur, zum Umweltschutz, zur Heimat. Vor allem in den Klassen 9 und 10 werden geschichtsträchtige Orte in der Umgebung thematisiert. Denn schließlich geht es beim Naturparkschule-Konzept auch darum, den jungen Menschen ihre Heimat und den Kulturraum näher zu bringen. Idealerweise wird bei den Kindern ein so starkes Interesse geweckt, dass sie es Zuhause fortsetzen, meint Nicolai Szymanski. Und es gibt auch schon erste Kinder, die angeregt durch das Angebot der AGs Zuhause sich nun ebenfalls um Nutztiere kümmern oder mit der Imkerei begonnen haben.

Oberbürgermeister Christof Florus sicherte seine Unterstützung zu. „Eine Unterschrift ist auch eine Verpflichtung“, sah er in dem besonderen Angebot auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Realschule sowie ein Baustein ganz im Sinne der kommunalen Gesundheitsstrategie. „Es geht um echtes händisches Erleben, nicht nur über das Kennenlernen über Power Point-Vorträge“, freute er sich über den praktischen Ansatz, wenn Kinder beim Füttern, Säubern, Ernten, Pflanzen und Pflegen ganz konkrete Erfahrungen machen. Eine gelungene Abrundung fand die kleine Feier durch die Schulband.