19.01.25
Es gibt Grund zum Feiern: Die Gaggenauer Woche ist 50 Jahre alt geworden. Seit einem halben Jahrhundert landet das Mitteilungsblatt mit den amtlichen Bekanntmachungen einmal in der Woche in den Briefkästen der Gaggenauer Bürger – und das kostenlos.
Die Vorläufer „Gaggenau 73“ und „Gaggenau 74“, die seit Oktober 1973 verteilt wurden, hatten offensichtlich „in einer relativ kurzen Zeit viele Freunde gewonnen“, so steht es in dem Einführungstext der neuen „Gaggenauer Woche“. „Diese positive Resonanz hat uns in unserem Bemühen bestärkt, es noch ein wenig besser zu machen“, lautet vor 50 Jahren das Versprechen an die Leser. Die erste Ausgabe vom 10. Januar 1975 hatte 22 Seiten, lose ineinandergelegt, dicht bedruckt von der ersten Seite an. Das Logo bestand aus dem G mit dem wegweisenden Pfeil und den Worten „GAGGENAU GENAU RICHTIG“. Dieses Wortspiel greift die Titelgeschichte der ersten Gaggenauer Woche auf, „… GENAU RICHTIG?“ Es folgt eine Abhandlung über den republikweiten Trend zur Kleinstadt, darüber, dass die Menschen in Gaggenau inmitten reizvoller Landschaft leben („Man muss mal wieder auf den Merkur wandern, den Mahlbergturm besteigen und das in die Landschaft eingebettete Städtchen von oben schauen“), aber auch in einem Städtchen, zu dem nicht nur viele Dörfer gehören, sondern das auch viele Arbeitsplätze bietet.
Eine Stadt voller Themen
Zu berichten gab es aus der Stadt Gaggenau immer etwas – viele Themen bleiben oder kehren wieder. Die Vereine hatten von Anfang an eine Plattform. Auch aus der französischen Partnerstadt Annemasse gibt es immer wieder Berichte. Die Bürger können sich seit 50 Jahren informieren über die neuesten Beschlüsse aus dem Gemeinderat, verständlich aufbereitet.
Im Laufe der Zeit kamen Rubriken hinzu. Manche ist geblieben, wie zum Beispiel „Zuhause gesucht“ mit Bildern und kurzen Texten von Tieren, die im Tierheim auf ein liebevolles Herrchen oder Frauchen warten, oder die Buchtipps aus der Stadtbibliothek, anderes ist wieder verschwunden, wie „Aktuelles für die Frau“. Hier gab es zum Beispiel Modetipps. Zwischendurch gab es Polizeimeldungen, aber auch Gratulationen zu hohen runden Geburtstagen und Ehejubiläen.
Weltoffen und gastfreundlich
Dass die Stadt Gaggenau eine weltoffene Stadt ist, zeigen die einzelnen Ausgaben: Im März 1975 kündigte die „Gawo“, wie das Mitteilungsblatt liebevoll genannt wird, zum Beispiel den Besuch des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Filbinger an, der sich in das goldene Buch der Stadt eintragen sollte: „Der Landesvater kommt direkt von der Eröffnung der Bundesgartenschau in Mannheim an die Murg. Anlass seines Besuches ist das 50er-Jubiläum der Dambach-Werke GmbH, dem Gaggenauer Unternehmen von internationalem Rang.“ Gleich drei Titel waren dem inzwischen verstorbenen Rock- und Bluessänger Joe Cocker gewidmet, an dessen Konzert im DaimlerChrysler-Werk vor fast 20 Jahren sich sicher viele Gaggenauer und Murgtäler noch gut erinnern.
Apropos Titel: Das Erscheinungsbild der Gaggenauer Woche hat sich im Laufe der Zeit mehrmals verändert: Das alte Logo mit dem großen G ist dem stilisierten Sester gewichen. Zunehmend „schleicht“ sich Farbe ins Blatt, erst in den Anzeigen, dann auf den redaktionellen Seiten. Nicht mehr Texte prägen den Titel, sondern ansprechende Bilder als „Hingucker“ machen neugierig auf die Inhalte.
Ein Spiegel der Zeit
Die Gaggenauer Woche ist und bleibt ein Spiegel der Zeit – im Rückblick lässt sich über das eine oder andere Detail schmunzeln. In den 70er-Jahren setzte man offensichtlich mehr auf Worte als auf Bilder. Und in der Werbung wurde noch gern gereimt, wie bei dieser Anzeige: „Willst Du Fitness rasch gewinnen – nimm Dir Zeit und geh mal schwimmen.“ Über was in 50 Jahren wohl geschmunzelt wird?
