22.12.25
Auf dem Hördener Friedhof wird derzeit ein Erinnerungsgarten angelegt. Dort können ab dem kommenden Frühjahr Urnenbestattungen durchgeführt werden.
„Das ist eine schöne Bereicherung unseres Bestattungsangebotes“, freut sich Gabi Doll. Die Abteilungsleiterin, die auch für die Friedhöfe zuständig ist, berichtet, dass Grabfelder, die von Gärtnern komplett betreut werden, immer beliebter werden. „Die Angehörigen haben dann keine Arbeit mit der Pflege mehr und haben einen schönen Ort der Trauer und Erinnerung“, erklärt sie. In Bad Rotenfels, auf dem Waldfriedhof und in Ottenau gibt es solche Angebote bereits. „Und diese kommen sehr gut an“, sagt Doll. „Gärtnerbetreute Grabfelder“ nannte man die Erinnerungsgärten bislang. Der neue Titel weist gleichzeitig auch auf den parkähnlichen Charakter hin, den diese Einheiten auf den Friedhöfen haben.
Oberweier fast abgeschlossen, Ottenau folgt
Auch in Oberweier wurde in den vergangenen Wochen ein solcher Erinnerungsgarten angelegt. Dort entstand der neue Bereich unterhalb der Friedhofskapelle, links vom Eingang. Der „Flügel“ des Friedhofes ist nun auch im Gesamtfriedhof wieder besser integriert. Die Arbeiten werden in Kürze abgeschlossen. Wie in Oberweier hat sich auch in Hörden der Ortschaftsrat einen Erinnerungsgarten gewünscht. Im Frühjahr wird mit den Arbeiten in Ottenau begonnen. Auch für Selbach, Sulzbach und Michelbach sind Wünsche vorhanden. „Die Umsetzung erfolgt so wie es die finanzielle Lage ermöglicht“, betont Doll, dass die Wege innerhalb des Grabfeldes durch die Stadt bezahlt werden.
Symbolik: Flusslauf mit Floß
Für den Erinnerungsgarten selbst geht die Firma Kamm in Vorleistung. Erst über die Jahre amortisiert sich für Garten- und Landschaftsbaubetrieb die Anlage. „Friedhöfe sind mir schon immer ein Herzensanliegen gewesen. Man kann so schöne Sachen gestalten“, lässt Albert Kamm den Blick über die neu entstehende Anlage gleiten und erklärt mit Sohn Stephen die Planung. In Anlehnung an die Tradition der Murgflösser soll in der Mitte des Grabfeldes ein trockener Flusslauf entstehen, der mit einem Floß geschmückt wird. „Im Floß findet sich zudem die Symbolik vom Fährmann, der die Seelen der Verstorbenen über den Fluss ins Jenseits bringt“, erklärt Stephen Kamm.
Der trockene Flusslauf spiegle hierbei den Fluss des Lebens wider, der eine der ältesten Metaphern der Menschheitsgeschichte ist. Die Symbolik tauche in Religion, Philosophie, moderner Trauerkultur und der Mythologie immer wieder auf, so Stephen Kamm weiter.
„Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen, auch mal auf eine Bank sitzen können, in Erinnerungen schwelgen und einen Sonnenuntergang betrachten können“, meint Albert Kamm. Gleichzeitig wird der trocken ausgebaute „Fluss“ auch ein Rückzugsort für Tiere darstellen. Die Bepflanzung im Feld selbst wird von trockenresistenten Gehölzen und Stauden geprägt sein. Um auf die heißen Sommer vorbereitet zu sein, werden bei den Baumaßnahmen nun auch gleich Bewässerungssysteme integriert, die helfen die Wasserkosten der Gaggenauer Friedhöfe dauerhaft zu senken".
Viele Vorteile für Hinterbliebene
Für den Garten- und Landschafsbaubetrieb Kamm ist es der achte Erinnerungsgarten, den sie in der Region einrichtet. Für Vater und Sohn liegen die Vorteile auf der Hand: „Es ist kostengünstig, bietet verschiedene Grabarten, auf Wunsch mit wechselnder Beetbepflanzung und wird dauerhaft mit gärtnerischem Know-how gepflegt. Es ist außerdem durch die Genossenschaft badischer Friedhofsgärtner e.G., die auch einige wesentliche Aufgaben bei den Erinnerungsgärten übernimmt, eine absolut verlässliche und langfristig abgesicherte Form der Grabpflege – sowohl in finanzieller als auch in gärtnerischer und würdevoller Hinsicht“. Gabi Doll von der Stadt Gaggenau ergänzt: „So können wir pflegefreie und vor allem auch kostengünstige Bestattungen wohnortnah anbieten“. Die Bürger müssen somit nicht in auswärtige Bestattungswälder abwandern.
