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Das Foto zeigt die Investorenvertreter des Cityhauses Svetozar Ivanoff und Andreas Klein mit Jutta Armbruster-Oberdorfer (Armbruster), Volker Eckl, mit OB Pfeiffer und BM Paul.
Investorenvertreter Svetozar Ivanoff und Andreas Klein mit OB Michael Pfeiffer und Andreas Paul.
© Stadt Gaggenau

9.12.25

Am kommenden Samstag hat das City Kaufhaus letztmals geöffnet. Doch wie geht es danach weiter? Am vergangenen Montag stellten die Investorenvertreter Svetozar Ivanoff und Andreas Klein im Gaggenauer Rathaus die Pläne für das über 45 Jahre alte Gebäude vor. Bereits nach den Weihnachtsferien, Anfang Januar, wird mit den Arbeiten im Innern des Gebäudes begonnen.

„Das Gebäude ist in einem sehr desolaten Zustand“, stellte Oberbürgermeister Michael Pfeiffer fest. Der Sanierungsstau war ein Grund dafür, dass die Immobiliengesellschaft, der das Gebäude im Moment noch gehört, im Februar erklärt hat, dass sie das Gebäude verkaufen wolle. „Uns wurde jedoch damals zugebilligt, dass wir uns selbst nach Investoren umschauen können“, blickte Pfeiffer bei einem Pressegespräch auf die Botschaft vom Februar zurück. Mit mehreren Investoren wurden Gespräche geführt. Der Durchbruch kam am 30. Mai 2025, als Svetozar Ivanoff zu einem Gespräch nach Gaggenau kam und bereits erste Pläne und Konzepte dabeihatte. „Wir haben sofort gespürt: Da ist jemand, der sich intensiv mit dem Projekt beschäftigt hat.“

Auch für den Durbacher Planer Ivanoff wurde der Tag zum Schlüsselerlebnis, das ihn darin bestärkte, das Projekt anzugehen. „Ich bin auf einen motivierten Oberbürgermeister und einen motivierten Bürgermeister gestoßen und hatte mehrere schöne Erlebnisse an diesem Tag in Gaggenau“, erzählt Ivanoff. Er verhehlt nicht, dass ihm anfangs Banken und Wirtschaftsberater davon abgeraten haben, in ein Kaufhaus zu investieren. Schließlich gibt es genug leerstehende Kaufhäuser. Bestärkt haben ihn vor allem der deutlich spürbare Wunsch und Rückhalt der Gaggenauer Bevölkerung für ein Kaufhaus in der Stadt. In den vergangenen Monaten fanden einmal wöchentlich Besprechungen mit der Gaggenauer Rathausspitze statt. Zudem gab es einige Gespräche mit Modehäusern, die Interesse hatten, als Mieter einzuziehen. Doch durch die Sanierung steigen die Kosten und damit die Mieten. „Am Ende lagen wir immer zu weit auseinander“, berichtet Ivanoff. Mittlerweile hat er mit Woolworth einen Mieter gefunden, der Teile des Erdgeschosses sowie das erste Obergeschoss belegen wird. Im Erdgeschoss bleibt der dm-Markt, der sich vergrößern wird. „Wir wollen unseren Kunden eine größere Verkaufsfläche anbieten, alles auf neue Beine stellen und unter anderem den Fotobereich ausbauen“, erklärt dm-Vertreter Volker Eckl. Der Expansionsleiter von dm stellte zudem klar, dass der Drogeriemarkt den Standort verlassen hätte, wenn sich am Gebäude nichts getan hätte. Jetzt freut sich Eckl über den „Frequenzbringer Woolworth sowie das neue künftige Café“ und blickt optimistisch auf die nächsten zehn Jahre. Ebenfalls seit 2008 in Gaggenau vertreten ist die Bäckerei Armbruster, die nun ebenfalls erweitern will. „Wo, das steht noch nicht ganz fest, aber wir wollen den gastronomischen Teil erweitern und ein schönes Café bieten“, erklärt Jutta Armbruster-Oberdorfer.

Für das zweite Obergeschoss steht die endgültige Planung noch aus. „Es wird aber keinen Verkauf mehr dort geben“, weist Ivanoff auf Gespräche mit Interessenten aus dem Gesundheitssektor hin. „Das Thema Gesundheit in der Innenstadt wird immer wichtiger.“ Zudem bringe dies auch für die Ladengeschäfte zusätzliche Frequenz.

„Wir freuen uns, dass dm und Bäckerei Armbruster bleiben und im neuen Kiosk künftig wieder eine Poststelle ist“, erklärt OB Pfeiffer. Auch der Bankautomat soll erhalten bleiben. Zudem wird die Barrierefreiheit im Haus verbessert – ebenso für die Murgufer-Tiefgarage. „Wir haben es geschafft, das Gebäude langfristig in der Innenstadt zu sichern und auf die Zukunft auszurichten“, fasst Pfeiffer zusammen.

 

Wie geht es nun weiter?

Noch vor Weihnachten wird die neu gegründete Cityhaus GmbH & Co. KG mit Svetozar Ivanoff und Andreas Klein den Kaufvertrag abschließen und das Gebäude erwerben. Die Mietverträge erfolgen nun zeitnah. Im Januar wird mit dem Umbau und der Sanierung begonnen, sodass Gaggenau ein attraktives, modernes Cityhaus mitten im Zentrum erhält. Es wird künftig mehrere Eingänge haben, sodass im Erdgeschoss der Drogeriemarkt dm und Woolworth voneinander getrennt erreichbar sind. Im Erdgeschoss wird zudem ein Kiosk mit Post und Lotto einziehen. Die Bäckerei Armbruster bleibt, wird sich aber räumlich noch verändern. Im ersten Obergeschoss wird vorrangig ebenfalls Woolworth als Mieter sein. Im zweiten Obergeschoss plant der neue Inhaber ein Zentrum für Gesundheit. Dieses wird zudem über einen Außenaufzug erreichbar sein. Neu ist außerdem die Integration eines Imbisses (links am Gebäude) und einer Dachterrasse. Während des Umbaus wird es kurzzeitig zu Einschränkungen im dm-Markt kommen. Bis Ende Mai/Anfang Juni soll Woolworth mit etwa 8.000 verschiedenen Artikeln einziehen. Zusammen mit dem saisonalen Angebot und dem Sortiment von dm (12.000 Artikel) erwartet die Kunden im neuen Cityhaus dann ein Angebot von über 20.000 Artikeln.

 

Was ist mit der Genossenschaft?

Über eineinhalb Jahre haben sich die Verantwortlichen der Genossenschaft sowie Oberbürgermeister Pfeiffer und Bürgermeister Andreas Paul für das City Kaufhaus eingesetzt. „Wir alle wollten zunächst das Kaufhaus so erhalten, wie wir es über all die Jahre kannten. Es hat sich dann leider jedoch gezeigt, dass dieser Herzenswunsch von so vielen Menschen nicht umsetzbar war und vor allem leider auch keine Zukunft gehabt hätte“, erklärte Paul. Die Genossenschaft hätte niemals die Miete zahlen können, die nach der Sanierung nun nötig ist, um das Haus rentabel zu führen. Vor allem aber die Tatsache, dass das Kaufhaus schon jetzt Mühe hatte, noch schwarze Zahlen zu schreiben, hat dazu geführt, dass die Genossenschaft schon vor Längerem die Reißleine ziehen musste. „Wir stehen in der Verantwortung der Genossenschaftsmitglieder, die hierfür Gelder gegeben haben.“ Am 24. Februar soll die nächste Mitgliederversammlung stattfinden. An diesem Abend soll dann über die Möglichkeiten, die sich der Genossenschaft bieten, beraten werden. „Wir wollen dies mit den Mitgliedern besprechen“, betont Paul. Er bittet deshalb auch alle Genossen darum, vorerst von Kündigungen der Genossenschaftsanteile abzusehen und bis zum 24. Februar abzuwarten. „Danach wird sich zeigen, wie es mit der Genossenschaft weitergeht oder ob sie aufgelöst wird.“ Sollte es zu einer Auflösung kommen, werden die Gelder selbstverständlich zurückerstattet. „Aus organisatorischen Gründen werden wir bis zum 24. Februar aber keine einzelnen Abwicklungen mehr vornehmen.“

Interview mit Investor Svetozar Ivanoff auf Youtube