Aktuelles
Rudolf Krumrey und Slobodan Mandic erhalten für ihr Engagement den Gaggenauer Bürgerpreis.
© Stvw.

20.01.2021

Viel lieber hätte die Stadt Gaggenau die beiden neuen Bürgerpreisträger im Rahmen des Neujahrsempfangs gewürdigt. Da pandemiebedingt nicht möglich, suchte die Verwaltung nach einer würdevollen Alternative. So fand die Verleihung des Bürgerpreises im Rahmen einer Gemeinderatssitzung statt. Schließlich obliegt es auch dem Gemeinderat alljährlich Personen für diese besondere Auszeichnung vorzuschlagen. Damit dennoch viele die Zeremonie miterleben konnte, wurde die Verleihung live im Internet übertragen. 

„Rudolf Krumrey und Slobodan Mandic sind in unserer Stadt wahre Größen auf ihrem Gebiet“, resümierte Oberbürgermeister Christof Florus gleich zu Beginn die „vorbildliche, außergewöhnliche Leistungen im sozialen, kulturellen, politischen und ökologischen Bereich. Beide könnten mit Stolz auf ein Lebenswerk ganz im Zeichen des Allgemeinwohls zurückblicken, meinte Florus, bevor er ihnen beide (in alphabetischer Reihenfolge) eine persönliche Laudatio widmete.

 

Rudolf Krumrey – grünes Gewissen der Stadt

Als wahrer Pionier des Umweltschutzes, der sich stets nach Kräften für diese überlebenswichtige Sache eingesetzt hat, gelte Rudolf Krumrey in der Stadt. „Und das schon lange bevor die heute so erfolgreiche Jugendbewegung „Fridays for Future“ ihren hohen Stellenwert erreichte“, stellte der OB fest. Wenn es um die Belange der Ökologie, der Umwelt und Natur, der Flora und Fauna geht, verstehe Krumrey, zu Recht keinen Spaß und können verständlicherweise dann auch mal richtig unbequem und hartnäckig sein.

Dabei zeigte er sich stets gut informiert in der Sache. Im jahrzehntelangen Einsatz für Bäume, Amphibien und Insekten habe er oft auch unorthodoxe, ungewöhnliche, originelle Lösungsvorschläge gehabt, die er stets engagiert vorgetragen habe, mit der Bereitschaft, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue zu erkunden.

20 Jahre vertrat er die Interessen von Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat und saß damit in wichtigen Gremien und Ausschüssen, wo er immer die Fahne des Umweltschutzes hochhielt, wenn es darum ging, die entscheidenden Weichen für die Zukunft zu stellen. Drei Legislaturperioden war er zudem als Kreisrat im Einsatz. Lange Zeit wirkte er in führenden Positionen auch beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (B.U.N.D.) und beim Schwarzwaldverein Gaggenau. Ehrenamtlich brachte er in ausgesprochen starkem Maße sein Sachwissen und seine Tatkraft in die alljährlichen Schutzmaßnahmen während der Kröten- und Amphibienwanderung ein.

Als grünes Gewissen der Stadt, als Person, die Umweltschutz zur persönlichen Lebensaufgabe machte, charakterisierte Florus den Geehrten, der aber auch Zeiten erlebte, in denen er für seinen Einsatz belächelt oder gar angefeindet wurde. „Es spricht für Ihr Standvermögen, dass Sie niemals aufgegeben haben – und gerade die umweltpolitisch sensibilisierte Gegenwart zeigt, dass Sie von Beginn an auf der richtigen Seite gestanden sind und auf die richtige Karte gesetzt haben“, bilanzierte Florus und freute sich den Bürgerpreis 2021 an den personifizierten Umwelt- und Naturschutz, Rudolf Krumrey verleihen konnte.

 

Slobodan Mandic – Integrationsperson pur

Als angenehmer, sympathischer sowie als umgänglicher, kommunikativer, zuverlässiger und hilfsbereiter Mensch ist Slobodan Mandic in Gaggenau vielen Menschen bekannt, stellte OB Florus fest. Als Fotograf hat er sich vom Autodidakten bis hin zum Bildchronisten Gaggenaus entwickelt und in fünf Jahrzehnten viele Bilder gefertigt, die heute Zeitdokumente sind.

Am Arbeitsplatz früher im Benz, in der Gewerkschaft, später im Verein oder heute im Seniorenrat, im Beruf wie im Ehrenamt: Er war und ist Bindeglied und Vermittler zwischen der ausländischen Gemeinschaft, die in Gaggenau groß ist, und den Einheimischen vor Ort, freute sich Florus. Slobodan Mandic sei ein überzeugter und überzeugender Förderer und Befürworter der Integration. Bereits im Jahr 2016 hat er den Deutschen Bürgerpreis für sein integratives Lebenswerk erhalten. Mit Anfang 20 war er selbst 1969 als Gastarbeiter aus Montenegro nach Deutschland gekommen und hat sich stark für Integration eingesetzt.

Im Seniorenrat Gaggenau ist er zweiter stellvertretender Vorsitzender sowie Kopf des Internetcafés 60 plus. In seiner berufstätigen Phase war er Betriebsrat im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau und bei der IG Metall Gaggenau Erster Vorsitzender im Ausländerausschuss sowie Schwerbehindertenvertreter. Seine Leidenschaft fürs Fotografieren wusste er über seinen Fotoclub 76 mit Gleichgesinnten zu teilen.

„Für mich ist Slobo ein Mensch, der sich vorbildlich für die Region eingesetzt hat und die Integrationsperson pur“, freute sich Florus. Um Mandics Wirken zu unterstreichen, zitierter Florus aus der Rede von Slobo bei der Verleihung des Deutschen Bürgerpreises: Damals erklärte er: „Ich habe mich als Ausländer integriert und ich empfinde mich längst als Deutscher, der anderen helfen kann, sich zu integrieren“. Und er riet: „Die Ausländer sollten den hiesigen Lebensverhältnissen und Lebensweisen aufgeschlossen und lernbereit begegnen. Und die Deutschen sich für die Umstände des Umzugs oder der Flucht, aber auch für die Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen der hier lebenden Ausländer interessieren. Integration kann nur gelingen, wenn Ausländer und Deutsche vertrauensvoll aufeinander zugehen, einander achten und bereit sind, voneinander zu lernen.“ Diese Einsichten habe Slobo ein Leben lang befolgt und als richtig erfahren. Deshalb rief Florus ihn dazu auf, weitzumachen wie bisher, bevor er auch ihm den Bürgerpreis der Stadt Gaggenau verlieh.

 

Zwei gerührte Preisträger

Beiden Bürgerpreisträger stand die Rührung über die Ehrung ins Gesicht geschrieben. „Ich wollte nie dastehen und zuschauen, sondern aktiv etwas beitragen“, fasste Rudolf Krumrey seine Motivation zusammen, sich von frühester Jugend an, zu engagieren. Geprägt habe ihn dabei sicherlich seine Kindheit und Jugend, die er in Trümmern erlebte und wo er damals schon Amphibien rettete. Auch als Pfadfinder lag ihm die Natur sehr am Herzen, so dass sich das Interesse für die Tiere schon sehr früh entwickelte, erzählte er. Er verhehlte aber auch nicht, dass er oft sehr viel Überzeugungsarbeit leisten musste.

Als großes Kompliment für ihn selbst und viel seiner ausländischen Mitbürger verstand Slobodan Mandic die Auszeichnung mit dem Bürgerpreis. „Es ist besonders bedeutungsvoll und eine ganz große Ehre, den Bürgerpreis der Stadt zu erhalten, in der ich seit 50 Jahren lebe“, dankte Mandic. Ein weiterer Dank galt seiner Frau Dragica, die all die Jahre hinter ihm stand sowie den vielen deutschen Freunden, die seinen Willen zur Integration erkannt und seine ausgetreckte Hand angenommen haben. Nur so es ihm möglich gewesen, sich zu integrieren. „Allein der Wille, sich integrieren zu wollen, reicht oft nicht“, stellte er fest. Unvergessen bleibt ihm Beispiel gelungener Integration. Bereits vor mehr als 30 Jahren initiierte er mit dem Kulturamt ein Straßenfest für Ausländer und Deutsche, das damals 15.000 Menschen anlockte. „Vielleicht lässt sich so etwas wiederholen, nach Corona“, meinte er. Mit der pathetischen Frage „Was und wo ist Heimat?", beendete er seine Dankesworte. Gaggenau ist seine Heimat geworden, weil sein Herz anfängt zu blubbern, wenn er sich dem Ort nach einer Zeit des Wegseins wieder nähert.

Die Verleihung des Bürgerpreises wurde live aufgezeichnet und ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal der Stadt Gaggenau zu sehen.

 

Verleihung des Bürgerpreises 2021