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Das City-Kaufhaus erfährt große Unterstützung von den Gaggenauer Bürgern und aus der Region.
© Stadt Gaggenau

07.06.24

„Es ist unglaublich“, fasst Gaggenaus Oberbürgermeister Michael Pfeiffer seine Begeisterung darüber zusammen, dass das City-Kaufhaus so vielen Menschen ein solches Herzensanliegen ist. Exakt 1.639 Personen haben bis Donnerstagvormittag Unterstützungserklärungen im Wert von insgesamt 951.750 Euro unterzeichnet.

„Das entspricht 3.807 Anteilen", berichtet Pfeiffer, dass damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sei. „Wir wissen von vielen, die noch unterzeichnen möchten". Diese Resonanz beflügle das Projekt ungemein, freut er sich.

Selbstverständlich war diese Entwicklung nicht – schließlich sind es gerade einmal acht Wochen her, seit die Stadt mit der Hiobsbotschaft konfrontiert wurde, dass das Kaufhaus zum Jahresende schließen wird. „Die Stadt stand unter Schock. Niemand konnte und wollte sich Gaggenau ohne das Citykaufhaus vorstellen", so Pfeiffer. Im Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen entstand die Idee eine Genossenschaft zu gründen. In gerade einmal drei Wochen wurde die erste Basis dafür geschaffen. Das Stadtoberhaupt holte sich beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband grünes Licht ein, fragte um Rückhalt bei einer Bank nach und war im Gespräch mit den Eigentümern des Gebäudes, einer Fondsgesellschaft. „Wir haben von allen Seiten Unterstützung signalisiert bekommen, so, dass wir mit der Idee an die Öffentlichkeit gehen und um Unterstützung werben konnten", resümierte Pfeiffer. 3.000 Anteile sollten bis zum 31. Mai zusammenkommen, um eine Tendenz absehen zu können. „Dass es nun 800 mehr sind, ist ein wahnsinniges Zeichen dafür, wie wichtig das Kaufhaus für Gaggenau ist", so Pfeiffer. Er will deshalb auch weiter Nägel mit Köpfen machen, um den Übergang am Jahreswechsel von der GmbH zur Genossenschaft zügig über die Bühne zu bekommen. So soll nun noch vor der Sommerpause die Gründungsversammlung stattfinden und sich ein Aufsichtsrat bilden, der den Vorstand bestellt.

Deshalb geht es nun im nächsten Schritt darum, Gründungsmitglieder zu finden, die bereit sind auch haftungsrechtlich in der Zeit bis zur Eintragung der Genossenschaft für diese einzustehen.

Aktuell wird davon ausgegangen, dass die Genossenschaft einen fünfköpfigen Aufsichtsrat haben wird, sowie einen Vorstand, der mit drei Mitgliedern besetzt wird. „Wir orientieren uns hier an den Empfehlungen des Badischen Genossenschaftsverbandes“, erklärte Pfeiffer. Immerhin betreut der Verband über 750 Genossenschaften aus 50 verschiedenen Bereichen. Die Gründungsversammlung wählt den Aufsichtsrat, der wiederum einen Vorstand einsetzt. Nach den derzeitigen Planungen soll zudem ein Geschäftsführer angestellt werden.

Parallel zu den Gründungsvorbereitungen soll nun auch ein wirtschaftliches Konzept (Geschäftsmodell) entwickelt werden. Für den Genossenschaftsverband ist dies Dreh- und Angelpunkt, da es als Basis für das anschließend zu erstellende Gründungsgutachten dient. „Unsere Aufgabe ist der Mitglieder- und Gläubigerschutz“, erklärt Dr. Michael Roth vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Im Gründungsgutachten wird vor allem die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geprüft.

Apropos Wirtschaftlichkeit: Mehrfach war in den vergangenen Wochen in Gesprächen die Frage nach den Zahlen des Kaufhauses gestellt worden. „Das Kaufhaus schreibt deutlich schwarze Zahlen und macht jährlich ein Umsatz von etwa sechs Millionen Euro. Der Gewinn liegt im sechsstelligen Bereich. Uns ist aber auch klar, dass diese Zahlen als Information nicht ausreichend sind“, versprach der Oberbürgermeister deshalb, dass es demnächst weitere Zahlen veröffentlicht werden sollen, um noch mehr Transparenz zu schaffen.

Schließlich soll in den nächsten Wochen auch damit begonnen werden, das Geld derjenigen einzusammeln, die sich vorstellen können, Mitglied der Genossenschaft zu werden. Alle, die bislang schon Unterstützungserklärungen ausgefüllt haben, werden angeschrieben und darum gebeten, das Geld für ihre Anteile nun auf ein eigens dafür eingerichtetes Konto zu überweisen. Bis zur endgültigen Eintragung der Genossenschaft wird das Geld von der Stadt treuhänderisch verwaltetet. Im Falle, dass die Genossenschaft doch nicht zum Tragen kommen sollte, würden alle wieder ihr Geld zurückerhalten.

„Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber wir sind zuversichtlich, dass wir mit diesem Rückenwind aus der Bevölkerung dieses einmalige Projekt stemmen werden“, so Pfeiffer abschließend.

Auch die SWR Landesschau bericht über das Projekt.