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Das Foto zeigt den Erinnerungsgarten auf dem Friedhof in Hörden.
Wie ein kleiner Park: der Erinnerungsgarten auf dem Hördener Friedhof.
© TobseFe Fotografie

31.10.26

Der November ist der Trauermonat: Allerheiligen und Allerseelen, Totensonntag und Volkstrauertag prägen diesen Zeitraum. Viele richten die Gräber für die Verstorbenen her: Unkraut wird entfernt, Chrysanthemen oder andere Herbstblumen werden gepflanzt. „Zu Allerheiligen sind viele Gräber besonders schön“, stellt Gabriele Doll, Leiterin der städtischen Abteilung Standesamt und Friedhöfe, fest.

Die Friedhöfe haben ihr Erscheinungsbild verändert. Auch die Art, wie Menschen trauern, hat sich gewandelt. „Schleichend gibt es einen anderen Umgang mit den Verstorbenen“, beobachtet die Friedhofsverwalterin. Kinder ziehen an einen anderen Ort, manchmal sogar in ein anderes Land. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Angehörige die Pflege eines Grabes übernehmen. Manche Sterbende wollen ihren Verwandten die Grabpflege auch nicht aufbürden. Die Entscheidung fällt immer häufiger für pflegefreie Bestattungen.

Abschied nehmen ohne Verpflichtung

Die Stadt Gaggenau hat diesen Wunsch aufgenommen und auf einigen Friedhöfen Erinnerungsgärten anlegen lassen. Grabfelder auf den Friedhöfen in Gaggenau, Hörden, Oberweier, Bad Rotenfels und Ottenau sind bereits parkähnlich gestaltet. Wege und Beete greifen dabei die Besonderheiten des jeweiligen Friedhofs oder des Stadtteils auf. Dauerhaft fachgerecht gepflegt werden sie von der Gärtnerei Kamm. Unterstützt wird das Konzept durch die Genossenschaft badischer Friedhofsgärtner e. G., die die langfristige Pflege organisatorisch absichert. Ein weiterer Erinnerungsgarten ist in Selbach geplant.

„An diese Orte können Trauernde immer wieder hinkommen, ohne jede Verpflichtung“, so Doll. Vielen Friedhofsbesucherinnen und -besuchern ist es wichtig, das Grab des verstorbenen Ehemannes, der Mutter oder anderer Angehöriger zu besuchen. „Und zwar physisch. Es ist eine bewusste Entscheidung, auf den Friedhof zu gehen“, stellt Gabriele Doll fest. „Das ist etwas anderes als eine virtuelle Kerze auf einem Online-Trauerportal.“

Wunsch nach sichtbarer Verbindung

Auf eigentlich pflegefreien Rasen- oder Baumgräbern entdecken sie und ihre Kollegen der Friedhofsverwaltung häufig mehr als eine abgelegte einzelne Blume, wie es eigentlich vorgesehen und erlaubt ist. „Das Bedürfnis, eine sichtbare Verbindung zu schaffen zu den Toten, ist durchaus vorhanden“, sagt die Leiterin der Friedhofsverwaltung.

Oft sind es zwar ältere Menschen, die an den Gräbern innehalten, eine Blumenschale oder ein Gesteck für die Verstorbenen ablegen. Angemalte Kieselsteine oder andere haltbare Basteleien verraten aber, dass auch Kinder vermutlich mit ihren Eltern die Friedhöfe aufsuchen.

„Das Trauern findet auf dem Friedhof seinen Raum. Wir von der Stadt Gaggenau versuchen, die Friedhöfe weiterhin attraktiv zu gestalten und den Wünschen der Menschen hier entgegenzukommen“, erklärt Gabriele Doll. „Derzeit geht der Wunsch stark in Richtung pflegefreie, aber gestaltete Gräber.“ 

Unterschiedliche Bestattungsformen

Auf den städtischen Friedhöfen gibt es unterschiedliche Bestattungsformen: Die klassischen Urnen- und Erdbestattungsgräber mit Einfassung, individuellen Blumenbeeten und einem Grabstein bestehen weiter und werden noch immer häufig gewählt. Daneben besteht die Möglichkeit, die Urne unter einem Baum zu bestatten. Eine Plakette erinnert an die verstorbene Person. Auf den Rasengräbern dürfen Angehörige eine Platte nach bestimmten Vorgaben platzieren. Hier ist die Ruhezeit auf 15 Jahre befristet. 

Seit 2019 gibt es zudem einen Grabfeld für so genannte Sternenkinder auf dem Waldfriedhof in Gaggenau. Hier sind Kinder begraben, die schon in einer frühen Phase der Schwangerschaft gestorben sind.