15.1.26
Bereits seit der Weihnachtszeit laufen nicht nur bei den Fastnachtsvereinen in Gaggenau, sondern auch im städtischen Ordnungsamt die Vorbereitungen für die närrische Zeit auf Hochtouren. Insbesondere die Fastnachtsumzüge stellen die Vereine und das Ordnungsamt vor große organisatorische Herausforderungen. Hintergrund sind verschärfte Sicherheitsvorgaben.
„Die Gefährdungslage hat sich verändert. Ereignisse wie Amokfahrten, zuletzt etwa auf einem Weihnachtsmarkt in Magdeburg, zeigen, dass wir Veranstaltungen heute anders absichern müssen als noch vor einigen Jahren“, erklärt Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau. Während bislang vor allem straßenverkehrsrechtliche Anordnungen zur Absicherung von Umzügen erforderlich waren, gehe es heute nun zusätzlich um umfassende Gefahrenabwehr. „Das ist eigentlich eine staatliche Aufgabe, die eine Kommune aber alleine nicht leisten kann. Deshalb sind wir auf die enge Zusammenarbeit mit den Vereinen angewiesen.“ Konkret bedeutet dies, dass bei Umzügen sämtliche Zufahrten zur Strecke gesichert werden müssen – unter anderem mit sogenannten Amoksperren. Diese werden von der Stadt Gaggenau angeliefert und den Vereinen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch das erforderliche Sperrmaterial wird kostenlos von der Stadt überlassen. Lediglich bei der Bedienung der Sperren sowie bei der Absicherung kleinerer Zufahrten bittet die Stadt um Unterstützung der Vereine, beispielsweise durch den Einsatz von Fahrzeugen.
Je nach Größe und Bedeutung der Veranstaltung müssen die Veranstalter zudem ein Sicherheitskonzept vorlegen. Darin werden unter anderem Rettungswege, Absperrmaßnahmen sowie der Einsatz von Ordnern oder privaten Sicherheitsdiensten geregelt. Die Gewährleistung der Veranstaltungssicherheit durch Ordner und Sicherheitsdienste liegt dabei klar in der Verantwortung der Vereine, so die Stadt. „Wir wissen, dass dies für die Vereine ein organisatorischer und finanzieller Aufwand bedeutet“, sagt Feuerer. Genau deshalb wird die Zusammenarbeit gesucht und auch gemeinsam nach praktischen Lösungen geschaut.
Neue Umzugsstrecke in Ottenau
Beispiel Ottenau: dort kreuzte die bisherige Umzugsstrecke zahlreiche Querstraßen und hätte zahlreiche Amoksicherungen erfordert. Der Ottenauer Carneval Club(OCC) hat sich daher gemeinsam mit den Ottenauer Holzmaskengruppen entschieden, den Umzug auf eine neue Strecke zu verlegen. Künftig führt der Umzug über die Rudolf-Harbig-Straße, die Josef-Vogt-Straße und die Brahms-Straße zurück zur Merkurhalle. Die Aufstellung bleibt in der Rudolf-Harbig-Straße, der Start des Umzugs erfolgt in der Josef-Vogt-Straße.
„Für uns war es keine Option, den Umzug aufzugeben“, betont Markus Eipert, Präsident des Ottenauer Carnevalsclubs. „Der Umzug hat in Ottenau eine über 60-jährige Tradition und ist für alle Besucher kostenlos. Deshalb haben OCC und Holzmaskengruppen intensiv beraten, wie wir ihn auch unter den neuen Sicherheitsanforderungen durchführen können.“ Mit der neuen Streckenführung lasse sich die Zahl der zu sichernden Zufahrten deutlich reduzieren. „Natürlich hoffen wir auf Akzeptanz – sowohl beim Publikum als auch bei den Anwohnerinnen und Anwohnern, vor deren Haustüren der Umzug erstmals vorbeiführt.“ Zusätzlich setzen OCC und Holzmaskengruppe an den verbleibenden Querstraßen mehrere Helfer ein, die an den Sperren postiert sind und im Bedarfsfall etwa Rettungsfahrzeugen die Durchfahrt ermöglichen.
Zufahrten gemeinsam sichern
Auch in Hörden und Bad Rotenfels stellt die Absicherung der Umzüge eine Herausforderung dar. In Hörden sind vier größere Zufahrten zu sichern, in Bad Rotenfels sogar mehr als sechs. „Hier brauchen wir die aktive Mithilfe der Vereine“, so Feuerer. Gleichzeitig betont die Stadt, dass sie die Vereine umfangreich unterstützt. Der Verkehrszeichenplan wird von der Stadt erstellt. Die Technischen Betriebe übernehmen den Aufbau der Beschilderung, richten Parkverbote ein, damit die Umzugsstrecken freibleiben und hängen die Beschilderungen um, wenn auf den Umzug noch wie in Hörden ein Narrentreffen an der Halle erfolgt. Der Abbau erfolgt am Veranstaltungstag durch die Veranstalter.
Auch die Straßenreinigung nach den drei traditionellen Umzügen übernimmt die Stadt Gaggenau. Pro Umzug entstehen hierfür Kosten von jeweils rund 1.500 Euro. Hinzu kommen Aufwendungen des Bauhofs von insgesamt über 13.000 Euro für Auf-, Um- und Abbauarbeiten. Gebühren für die Sondernutzung öffentlicher Flächen erhebt die Stadt nicht, da die Fastnachtsvereine hiervon satzungsgemäß befreit sind. Lediglich für einzelne Verwaltungsvorgänge fallen geringe Verwaltungsgebühren von etwa 25 Euro an.
„Uns ist bewusst, dass wir den Vereinen mit den zusätzlichen Auflagen zur Gefahrenabwehr einiges abverlangen“, sagt Judith Feuerer. „Diese Vorgaben kommen jedoch nicht von der Stadt, sondern basieren auf Anforderungen von Bund und Land. Wir setzen sie um – und wir tun das mit dem klaren Ziel, Veranstaltungen sicher durchzuführen.“ Entscheidend sei dabei das Miteinander. „Nur gemeinsam können wir die Fastnachtstradition bewahren und gleichzeitig für die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher sorgen“, sind sich Stadt und OCC-Präsident Markus Eipert einig.
