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Das Foto zeigt den Stadtpräsidenten Pawel Osiewala und OB Michael Pfeiffer beim Besuch anlässlich des Jubiläums der beiden Städte und 890 Jahre Sieradz.
Gemeinsam auf der neuen Sitzbank: Stadtpräsident Pawel Osiewala mit Oberbürgermeister Michael Pfeiffer im Mickiewicz-Park.
© Stadt Gaggenau

1.6.26

Vor mehr als 25 Jahren pflanzten die Gaggenauer vor dem Rathaus in Sieradz eine Schwarzwaldtanne. Am vergangenen Wochenende überraschten sie die polnischen Freunde mit einer Liegebank. Gemeinsam legten Oberbürgermeister Michael Pfeiffer und Präsident Paweł Osiewała Hand an, um die letzten Schrauben festzudrehen und anschließend zusammen Probe zu liegen.

Das polnische Stadtoberhaupt zeigte sich überzeugt davon, dass die Sieradzer hier Schlange stehen werden. Er werde überlegen, pro fünf Minuten zwei Euro zu erheben. So manch Gaggenauer nahm den launigen Präsidenten beim Wort und drückte ihm ein paar Euros in die Hand, um einmal Platz nehmen zu können. Die „Einweihung“ der Bank im Mickiewicz-Park war einer von vielen berührenden Momenten, die die Gaggenauer Delegation während ihres dreitägigen Aufenthaltes erleben durfte.

Anlässlich der über 25 Jahre währenden Partnerschaft weilte eine Gruppe aus Stadträten, Verwaltung sowie Oberbürgermeister Michael Pfeiffer und Bürgermeister Andreas Paul im knapp 1000 Kilometer entfernten Sieradz. Dort wurde die Gruppe herzlich aufgenommen und erhielt einen Einblick in die Entwicklung der 40.000-Einwohner-Stadt, die am gleichen Wochenende 890 Jahre Stadtjubiläum feierte.

 

Einblicke in die Entwicklung von Sieradz

„Wir sind eine ökologische Stadt“, betonte Paweł Osiewała und lud die badischen Freunde ein, mit einem der örtlichen Elektrobusse zu fahren. Sechs Stück hat die Stadt mittlerweile im Einsatz. Stolz ist die Kommune zudem auf den „heißesten Ort in Sieradz“ (Zitat Osiewała): das Wärmewerk samt Geothermieanlage. Seit zwei Jahren ist es in diesem Umfang in Betrieb. Über 30 Millionen Euro wurden dafür investiert. Eine Investition, die sich innerhalb der nächsten zehn Jahre amortisieren soll. Von den rund 40.000 Einwohnern der Stadt werden etwa 28.000 mit der Fernwärme aus dem hybrid angelegten Werk versorgt. „Es ist eines der größten Heizwerke in Polen“, erklärte der Geschäftsführer. Neben vielen Mehrfamilienhäusern werden vor allem auch die öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindertageseinrichtungen mit Wärme versorgt. Gewonnen wird die Wärme durch Geothermie (1552 Meter Bohrtiefe, 53 Grad Celsius Wassertemperatur), Biomasse (Hackschnitzel) sowie Erdgas.

 

Führender Fliesenhersteller: Ceramika Tubądzin

Beeindruckt waren die Gaggenauer zudem von der Führung durch eine der modernsten Fliesenfirmen der Welt, Ceramika Tubądzin - außerhalb Italiens eine absolute Besonderheit. Die Firma ist größter Arbeitgeber am Ort, beschäftigt rund 1300 Menschen und produziert im Monat 450.000 Quadratmeter Fliesen, die in der ganzen Welt gefragt sind. Erst vor zwei Jahren erhielt die Firma auf einer Mailänder Fachmesse einen renommierten Preis. Beim Rundgang durch die vollautomatisierten Produktionshallen mit autonom fahrenden Transportfahrzeugen erfuhren die Gäste, wie die für die Firma typischen Keramikfliesen produziert werden. Zum Einsatz kommen die gefragten Fliesen, die es in einer Größe bis zu 1,2 Meter mal 2,75 Meter gibt, im Möbeldesign ebenso wie in Küchen, Bädern, als Wand- oder Fassadenverkleidung.

Ein weiterer Stopp galt der neuesten Sportanlage an einer der zehn Grundschulen. Wie der Präsident berichtete, investiert die Stadt einige Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen. Am Abend fand auch der Empfang im neu errichteten Kino statt, das aus der ganzen Region besucht wird. Als weitere Projekte nannte Paweł Osiewała die Planungen für die Revitalisierung des Altstadtparks, den Bau eines Amphitheaters und von Uferpromenaden an der Warthe, von Radwegen sowie Projekte im Bereich erneuerbarer Energien sowie energetischer Sanierungen. Das Ziel: Sieradz soll eine ökologische, bürgerfreundliche und offene Stadt sein.

 

Im Herzen als Freunde verbunden

Höhepunkt des dreitägigen Aufenthaltes bildeten die Feierlichkeiten zum 890-jährigen Stadtjubiläum. In den Festakt am Samstagabend war auch die Würdigung der 25-jährigen Partnerschaft zwischen Gaggenau und Sieradz eingebunden. Mit einer erneuten Urkundenunterzeichnung bekräftigten Oberbürgermeister Michael Pfeiffer und Präsident Paweł Osiewała die Freundschaft zwischen den beiden Kommunen.

„Wir sind mehr als Partner sein, wir sind Freunde“, stellte Osiewała gleich zu Beginn seiner berührenden Rede fest, dass für ihn ein Besuch in Gaggenau „wie ein Heimkommen nach 25 Jahren Ehe ist“. Er erinnerte daran, dass die Freundschaft in einer schwierigen Zeit entstand: Polen im Aufbruch, ein wachsendes Europa. „Wir bauten eine Brücke des Vertrauens mit einer jungen Stadt in Deutschland“, dankte er – wie auch OB Pfeiffer den damaligen Wegbereitern: dem ehemaligen Oberbürgermeister Michael Schulz sowie Therese Czichon. Schulz habe daran geglaubt, dass eine Partnerschaft mit einer polnischen Stadt wichtig und wertvoll ist. „Heute können wir stolz auf das gemeinsam Erreichte blicken“, meinte Osiewała. Dazu zählte für den Sieradzer Präsidenten neben den partnerschaftlichen Begegnungen der Jugend vor allem die Unterstützung Gaggenaus zu Beginn des Ukraine-Krieges: „Damals haben wir wahre Partnerschaft erlebt“, dankte er. Sein Fazit: „Das Jubiläum ist nicht nur Grund zum Feiern, sondern auch Verpflichtung, gemeinsam Lösungen für künftige Herausforderungen zu finden in einer Zeit innerer und äußerer Bedrohungen.“

 

Partnerschaft als Brücke in die Zukunft

Auch Oberbürgermeister Michael Pfeiffer betonte die Bedeutung der Städtepartnerschaft, die weit über offizielle Vereinbarungen hinausgehe. Entscheidend seien die Menschen, die die Verbindung mit Leben füllten und über 25 Jahre hinweg Freundschaften, Begegnungen und gemeinsame Projekte ermöglicht hätten. Besonders hob er die Rolle der Jugend hervor: „Verständigung entsteht nicht auf dem Papier – sondern in den Herzen der Menschen.“ Mit Blick auf die Anfänge der Partnerschaft würdigte Pfeiffer den Mut und die Weitsicht der Verantwortlichen um den damaligen Oberbürgermeister Michael Schulz, die bewusst den Blick nach Polen gerichtet hätten. Die Städtepartnerschaft sei bis heute geprägt von „Respekt, Offenheit und Begegnung auf Augenhöhe“ und leiste einen wichtigen Beitrag für ein starkes und geeintes Europa. „Wenn wir diesen Weg weitergehen, bin ich überzeugt: Diese Partnerschaft hat eine starke Zukunft“, zeigte sich Pfeiffer zuversichtlich.

 

Gottesdienst und Festumzug sowie mittelterliches Fest

Nach einem festlichen Gottesdienst am Sonntagmorgen, den der Gaggenauer Pfarrer Friedbert Böser in der Kirche St. Josef mitzelebrierte, stand am Sonntagvormittag zudem ein Besuch des Rathauses an.   Pfarrer Böser überraschte seinen Kollegen mit einer Kerze der Wallfahrtskirche Moosbronn, die nach dem Gottesdienst entzündet wurde. Umgekehrt erhielt er ein Bild des St. Josef – passend zu seinem Zweitnamen Josef.

An die lange Geschichte der Stadt erinnerte der Festumzug zu den Sieradzer Toren der Zeit, dem sich auch die Gaggenauer Gäste anschließen durften. Er endete beim Freilichtmuseum, das ebenfalls einen Einblick in die historische Entwicklung des Ortes gibt. Nebenan fand mittelalterliches Treiben mit Marktständen sowie Vorführungen der Reiter aber auch Feuerschlucker und Ritter statt. Für die Gaggenauer Delegation, die am Montag wieder heimreiste, war es ein abwechslungsreiches Wochenende mit vielen kulturellen aber auch kulinarischen Erlebnissen und Erfahrungen.