2.4.26
Rund 5.000 Straßenlaternen stehen in Gaggenau. Immer wieder sorgen sie für Diskussionen – und das nicht nur wegen der Nachtabschaltung. Immer mal wieder wundern sich Bürger darüber, dass diese tagsüber brennen. Dabei ist dies ein gutes Zeichen: „Wenn Straßenlaternen am Tag an sind, bedeutet das, dass wir gerade eine Kontrolle nach einer Reparatur oder zur Entdeckung von Defekten durchführen“, erklärt Andre Irmscher von den Stadtwerken Gaggenau.
Doch warum müssen sie dazu stundenlang brennen? Diese Frage wird immer wieder gestellt. „Nur, wenn wir sie testen, können wir den Fehler finden und beheben – das geht ausschließlich im Betrieb, manche Fehler zeigen sich erst nach einer gewissen Laufzeit“, erklärt Irmscher. Warum eine Lampe nicht brennt, kann ganz verschiedene Ursachen haben. „Das Leuchtmittel kann kaputt sein, manchmal ist der ganze Lampenkopf defekt oder es kann auch einen Fehler bei der elektrischen Versorgung geben“, erläutert er. Und auch wenn nur das Leuchtmittel defekt ist, gilt es zu prüfen, warum es nicht mehr funktioniert hat. „Die Gefahr ist sonst groß, dass in Kürze weitere Lampen ausgehen, die an der gleichen Versorgung hängen.“
Immer häufiger fallen Laternen aus, weil die elektrische Versorgung mangelhaft ist. „In vielen Bereichen der Stadt liegen noch sehr alte Kabel, die teilweise schon weit über 60 Jahre alt sind.“ Diese werden immer anfälliger und sorgen so für immer mehr Probleme. Deshalb lässt die Stadt beim Glasfaserausbau Leerrohre verlegen, damit die Versorgung der Straßenlaternen Zug um Zug erneuert werden kann. Dies ist auch bei der Michelbacher Kirche geplant. Dort sorgte zuletzt die provisorische Aufhängung der Beleuchtung für Unmut. Gemeinsam mit der Stadt wurde entschieden, nicht Geld für Aufgrabungen auszugeben, wenn ohnehin in den nächsten Monaten dort wegen des Glasfasers der Gehweg aufgerissen werden muss. „Wir werden dann die Leitungen für die Beleuchtung wieder unterirdisch verlegen“, erklärt Irmscher. Ein zweiter Grund dafür, dass viele Lampen ausgehen, ist, die Empfindlichkeit der Retrofit-LED-Lampen. „Sie reagieren empfindlicher auf Erschütterungen und passen oftmals nicht optimal zu den alten Laternen“, erklärt Irmscher.
Die Thematik Straßenlaterne ist vielschichtig, betont auch Volker Wickersheimer, Leiter der städtischen Tiefbauabteilung. Unter anderem durch die Eingemeindungen der ehemals selbständigen Ortsteile gibt es in Gaggenau viele verschiedene Modelle von vielen verschiedenen Herstellern. In der Innenstadt befinden sich sogar Sonderanfertigungen für Gaggenau. Das führt dazu, dass Ersatzteile oftmals lange Lieferzeiten haben und eine kaputte Lampe nicht sofort repariert werden kann. Neben den veralteten Modellen, für die es oft keine Ersatzteile mehr gibt, bereitet Irmscher aber vor allem das alte Leitungsnetz Bauchschmerzen. Bleikabel mit Papier ummantelt – auch das gibt es noch. In manchen Ortsteilen existiert sogar noch die abgehängte Straßenbeleuchtung.
Manches Mal würde er sich deshalb für sein Team mehr Verständnis aus der Bevölkerung erwarten. „Wir legen großen Wert darauf, Schäden sorgfältig und sinnvoll zu beheben“. Dazu gehöre, dass es günstiger sei, wenn nicht die Reparatur einzelner Laternen erfolgt, sondern während eines Einsatzes mehrere Lampen in einem Viertel repariert werden. Vorrang haben allerdings Laternen an Schulen und Kindergärten sowie an anderen sensiblen Stellen. Wenn repariert wird, dann wird Platz für den Aufbau des Steigers benötigt. Erst unlängst ist es den Mitarbeitern wieder passiert, dass sie deshalb von Bürgern beschimpft wurden und ihnen sogar gedroht wurde: „Wenn du nicht wegfährst, steche ich dir die Reifen auf“, äußerte ein Bürger, der sich darüber ärgerte, dass die Stadtwerke-Fahrzeuge an seinem angestammten Parkplatz an der defekten Straßenlaterne ihr Fahrzeug abgestellt hatten. Auf taube Ohren stoßen die Mitarbeiter leider öfter, wenn sie Fahrzeughalter darum bitten, ihre Autos wegzufahren, damit die Reparatur an der Laterne durchgeführt werden kann.
In den vergangenen Wochen konnten viele Laternen repariert und erneuert werden. Unter anderem wurden auf dem Hummelberg zahlreiche Lampen ersetzt. An der Hauptstraße wurde ein defektes Erdkabel ausgetauscht und neue Rohre sowie Leitungen verlegt.
45 Straßenlaternen haben die Stadtwerke derzeit auf ihrer Liste als defekt gemeldet. Im Verhältnis zu 5000 Laternen stadtweit ist dies wenig. 250.000 Euro investiert die Stadt jährlich in die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung.
