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Das Foto zeigt die Mitgliederversammlung der Kaufhausgenossenschaft am 24. Februar 2026 bei der Abstimmung zur Auflösung.
Die Genossenschaftsmitglieder haben abgestimmt.
© Stadt Gaggenau

25.2.26

Sehr deutlich fiel am Dienstagabend das Votum der Mitglieder der Genossenschaft City Kaufhaus aus: Bis auf eine Person hoben alle ihre gelbe Stimmkarte in die Höhe, um damit ihren Zuspruch zur Auflösung zu signalisieren. Damit erhielt gleichzeitig auch der Vorstand den Auftrag, die Auflösung vorzubereiten und in die Wege zu leiten.

„Wir werden aufs Gas stehen“, versprach Vorsitzender Ralf Jungfermann. Und er hofft, dass den Mitgliedern früher als rechtlich vorgesehen die Anteile zurückbezahlt werden können. Es gibt aber einen zwölfmonatigen Gläubigerschutz, weshalb nach dem offiziellen Auflösungstermin beim Notar noch nicht gleich die von der Stadt treuhänderisch verwahrten Gelder ausbezahlt werden können.

Stefan Schwaab, Heidrun Haendle und Georg Bierbaums würden sich dann wünschen, dass sich viele Mitglieder dafür entscheiden, ihrer neuen Stiftung, die sie für Gaggenau gründen wollen, beizutreten. „Wir wollen das beeindruckende und einmalige Engagement der Bürger erhalten.“ Deshalb stellte das Trio am Dienstagabend auch den Gedanken einer Stiftung, wie sie viele Städte in der Region haben, vor. Kulturelle und soziale Projekte könnten mit einer Bürgerstiftung unterstützt werden. In einer bald stattfindenden Informationsveranstaltung wollen die Initiatoren mehr Details vorstellen. Mit dem ehemaligen Ettlinger Oberbürgermeister Josef Offele konnte zudem ein Mann gewonnen werden, der aus erfolgreicher Erfahrung berichten kann.

Doch zurück zur Versammlung in der Jahnhalle am Dienstagabend. Bereits kurz nach 17 Uhr kamen die ersten Mitglieder, um sich einen Platz in der Jahnhalle zu sichern, die am Ende bis auf den letzten Platz besetzt war. „Diese Resonanz ist erneut beeindruckend“, freute sich Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Andreas Paul bei der Begrüßung. Auch wenn das Thema mittlerweile eine andere Wendung genommen habe als ursprünglich erhofft, so sei das Hauptziel dennoch erreicht worden: „Uns war wichtig, dass weiter in dem Gebäude etwas läuft.“

Auch Oberbürgermeister Michael Pfeiffer erklärte, dass man zwar mit einem anderen Ziel angetreten sei, aber deshalb die „Genossenschaft nicht gescheitert ist“. Denn auch wenn nun nicht die Genossenschaft den Geschäftsbetrieb des Kaufhauses übernehme, habe man nun eine Lösung für das ehemalige City Kaufhaus gefunden. Welch bedeutende Rolle die Genossenschaft dabei gespielt hat, wurde in den Worten von Investor Svetozar Ivanoff mehr als deutlich. „Diese mutigen Menschen hier haben mich beeindruckt. Da wollte ich helfen“, erzählte der Offenburger Investor, wie es zu seinem Engagement gekommen ist.

Leerstehende Kaufhäuser gebe es in vielen Städten. „Aber hier gab es viele Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen“, berichtete er humorvoll von seinen ersten Begegnungen mit hilfsbereiten Gaggenauern, die ihn ermutigten, das Kaufhaus zu erwerben. Beim ersten Gespräch, an einem Brückentag im Rathaus Gaggenau, habe er im Ratsstübel und im Parkhaus den Unterschied vielfach gespürt. Und dieser habe sich fortgesetzt, berichtete er von wöchentlichen Videokonferenzen mit Oberbürgermeister und Bürgermeister und teilte ein „Riesenlob“ an sie aus. Wenn er etwas gebraucht habe, dann habe er es auch bekommen. „Nur so war die schwierige Aufgabe möglich.“

Dass er mit dem Gebäude ein herausforderndes Projekt hat, machten auch die Bilder vom aktuellen Umbau deutlich. „Wir müssen das Gebäude aus dem Jahr 1980 von Grund auf sanieren.“ Die erste Bauphase gilt dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Die Treppe und Rolltreppe zum zweiten Obergeschoss wurden abgerissen. In den nächsten Tagen werden Stahlträger eingebaut und eine Decke eingezogen. Im zweiten Obergeschoss wird dann in einer zweiten Bauphase Raum für Dienstleister entstehen. „Hier laufen die Gespräche noch“, berichtete Ivanoff. Logopädie, Ergotherapie, Gesundheitszentrum, Ärzte, aber auch Gastronomie sind im Gespräch.

Im Erdgeschoss wird sich der Drogeriemarkt dm vergrößern. Woolworth wird im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss vertreten sein. Die Bäckerei Armbruster wird ebenfalls erweitern. Auch ein Kiosk mit Post ist künftig im Erdgeschoss vorgesehen. „Das Cityhaus soll das neue Herz von Gaggenau werden, wo man mehr als nur einkaufen kann“, schwärmte Ivanoff und ließ Bilder sprechen. Seine bereits realisierten Referenzprojekte, die er ebenfalls kurz anriss, sprachen für sich.

Bürgermeister Paul fasste abschließend zusammen: „Wir freuen uns auf den Sommer.“ Begeistert vom Konzept des Investors zeigte sich auch Vorstandsmitglied Jürgen Mäder, der zudem Ralf Jungfermann für sein großes Engagement dankte. „Das waren große Brocken, die hier geleistet und umschifft werden mussten“, blickte er auf die letzten eineinhalb Jahre zurück.

Mit viel Beifall quittierten die Genossen die Dankesworte von Oberbürgermeister Michael Pfeiffer, der den großen Einsatz der ehrenamtlichen Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat einzeln würdigte. Einig waren sich alle Verantwortlichen zudem darin, dass mit der Idee der Stiftung der gezeigte Geist der Gaggenauer weiter erhalten werden könnte. „Die Stiftung wird aber völlig außerhalb der Stadtverwaltung laufen“, betonte OB Pfeiffer. Und Bürgermeister Paul wies ausdrücklich darauf hin, dass nach der Auflösung jedes Mitglied frei entscheiden könne, ob es seine Anteile künftig in eine Stiftung geben oder ausbezahlt haben möchte. Aufsichtsrätin Brigitte Schäuble brachte weitere Gaggenauer Stiftungen (z. B. Altenhilfe, Lebenshilfe sowie das Unimog-Museum) ins Spiel, die sich ebenfalls über Unterstützung freuen würden.