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Der tägliche Test ist Teil des Konzeptes für eine eingeschränkte Öffnung von Geschäften und Gastronomie in Gaggenau.
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22.03.2021

Einzelhandel, Gastronomie und vor allem die Gaggenauer Bürger hat Oberbürgermeister Christof Florus im Blick. „Sie alle machen sich Sorgen um ihre Existenz, um ihre Gesundheit und wünschen sich ein Ende der Pandemie und damit ein Ende der Einschränkungen“, urteilt Florus. Aus diesem Grund hat er mit dem örtlichen Handel das Gaggenauer Modell entwickelt, mit dem er nicht zuletzt auch gegenüber der Landesregierung ein Zeichen setzen will. „Wir brauchen Perspektiven und nicht mehr sich widersprechende Verordnungen und Vorgaben“. Den Wulst an Regelungen könne kaum mehr jemand nachvollziehen. Der Gaggenauer Oberbürgermeister sieht, nachdem sich die Impfungen zeitlich ziehen, nur in Testungen einen Weg in Richtung Normalität. Aus diesem Grund hat er als eine der ersten Städte in Baden ein Testzentrum für alle Bürger eingerichtet. Auch in den Gaggenauer Schulen wird seit dieser Woche regelmäßig getestet. Mit dem neuen Konzept sollen dann auch die Mitarbeiter der in der Öffnung eingeschränkten Betriebe täglich getestet werden. Der tägliche Test ist Teil des Konzeptes für eine eingeschränkte Öffnung von Geschäften und Gastronomie in Gaggenau. Zweiter Baustein bildet die Testung der Kunden. Wer ein negatives tagesaktuelles Testergebnis vorweisen kann, „darf überall in Gaggenau einkaufen und kann auch essen gehen“, bringt Florus sein Konzept auf den Punkt. Gleich mehrere Vorteile sieht das Stadtoberhaupt in diesem Vorgehen. Zum einen lohne sich das Testen für die Bürger, weil sie im Gegenzug dafür, einkaufen können. Zum anderen könnten so die Händler, die eigentlich bei einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 nur noch Click&Collect anbieten dürfen, wieder auf das Modell „Click&Meet“ umsteigen. „Das hat in der vergangenen Woche bis einschließlich Montag sehr gut funktioniert“, berichtet Florus. Die Kunden konnten mit Termin einkaufen oder auch vor Ort spontan einen Termin vereinbaren, wenn die Personenzahl pro 40 Quadratmeter noch nicht überschritten war. Dahin möchte Florus nun wiederkommen.

Das Ausfüllen des Kontaktformulars bleibt erhalten, um die Kontakte nachverfolgen zu können. Ausgenommen sind davon nur die Geschäfte, die unabhängig des Inzidenzwertes geöffnet haben dürfen, wie beispielsweise Lebensmittelhandel, Drogerie oder auch Blumengeschäfte und Buchhandlungen.

Das Konzept des Gaggenauer Modells hat die Stadtverwaltung diese Woche bereits an sämtliche Kommunen und Städte im Landkreis geschickt sowie an mehrere Werbegemeinschaften. Die Rückmeldungen waren äußerst positiv. Viele Kommunen im Kreis möchten sich dem Modell des Testens anschließen, um auf diese Weise der Pandemie etwas entgegenzusetzen und gleichzeitig Händlern wie Bürgern Perspektiven bieten zu können. „Je mehr Städte ein solches Modell fordern, umso höher wird der Druck für die Landesregierung“, meint Florus. Wenn die Politik wolle, dass die Innenstädte auch nach Corona noch attraktive Geschäfte und gastronomische Angebote haben, müsse sie jetzt handeln. „Die Betriebe stehen mit dem Rücken an der Wand. Die Bürger werden ungeduldig und sind genervt“. Deshalb sieht er im permanenten Testen einen gangbaren Weg, so lange die Impfungen so schleppend laufen. „Ein Stufenplan nach Inzidenzen war vielleicht gut gemeint, aber er funktioniert nicht in der Praxis“, verweist er darauf, dass die Geschäfte nur wenige Tage öffnen konnten und auch Verlässlichkeit benötigen, um Personal und Wareneinkauf planen zu können. Gleiches gelte für die Gastronomie, die er in Gaggenau auch gerne wieder offen hätte.

 

Testen, testen, testen

Aus Gesprächen mit vielen Kollegen in Videokonferenzen des Städtetages weiß Christof Florus um die Bedeutung des permanenten Testens. Dabei werde es nicht reichen, allein kommunale Testzentren einzurichten. Deshalb geht die Stadt nun auch auf die Wirtschaft zu. Kleineren Handwerksbetrieben und Dienstleistern wird eine Testmöglichkeit angeboten. Von größeren Firmen erwartet die Stadt, dass diese selbst Testmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter bieten. Zudem wünschen die Ober- und Bürgermeister der Region auch, dass die großen Lebensmittelhändler oder Baumärkte vor ihren Geschäften Testmöglichkeiten bieten.

Um die Teststrategie kommunal umsetzen zu können, braucht es einen zuverlässigen und erfahrenen Partner. Diesen hat die Stadt Gaggenau in der örtlichen Vitalapotheke gefunden. Seit Montag, 22. März wird von Montag bis Freitag sowie am Samstagvormittag in der Jahnhalle getestet. Wie bisher auch, müssen sich Interessierte dafür online anmelden. Somit entstehen auch in der Jahnhalle keine Wartezeiten. Der Test ist für alle Bürger kostenlos.

 

Mehr Verantwortungsbewusstsein

Mit Sorge beobachtet die Stadtverwaltung auch die in ihrer Stadt zunehmend steigenden Fallzahlen. „Manche Ansteckung oder Quarantänemaßnahme könnte verhindert werden, wenn die Menschen etwas vernünftiger wären“, heißt es aus dem Rathaus. Sie appelliert deshalb nochmals an alle Bürger, sich selbst zu isolieren oder in Quarantäne zu begeben, wenn ein Familienmitglied erkrankt ist. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die übrigen Haushaltsmitglieder ebenfalls erkranken ist sehr hoch“. Deshalb sollten Kinder von erkrankten Geschwistern oder Eltern nicht weiter in Schule oder Kindergarten gehen.