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Das Foto zeigt eine Person, die auf dem Keschteweg in Oberweier läuft.
Der Keschteweg ist familientauglich und führt durch die abwechslungsreiche Landschaft Oberweiers.
© Stadt Gaggenau

20.10.25

Streuobstwiesen, Wald, sanft ansteigende Hügel, so weit das Auge reicht. Die aufgeplatzten stacheligen Hüllen auf dem Weg lassen ahnen: Hier spielt die Kastanie eine bedeutende Rolle. Nicht von ungefähr ist Oberweier bekannt als „Keschtedorf“. Manche Bäume haben die 100 Jahre längst überschritten. Vor allem an Hängen wachsen sie; die Oberweierer nennen sie Keschtebuckel.

Einen Rundweg hat das Dorf seiner Lieblingsfrucht gewidmet. Im Herbst wird die Castanea sativa, die Edelkastanie, mit den Keschtefesten gebührend gefeiert. Natürlich mit tollen Kastaniengerichten: Geröstete Kastanie, Kastanienwurst oder Kastanientorte mit karamellisierten Früchten lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

 

Mit den Römern kamen die Kastanien

Jetzt, in der dunklen – also der gemütlichen – Jahreszeit landen Keschte zu besonderen Gelegenheiten auf den Tellern: gekocht und püriert zu Rotkraut und Wild, als Pesto auf Nudeln oder als Füllung in der Martinsgans. „In Oberweier gibt es viele Rezepte für die Kastanie“, erzählt Daniela Walter von der Interessensgemeinschaft (IG) Keschteweg Oberweier. „Die Oberweierer kennen auch manche Tricks, wie man die Keschte am besten schält und für die Wintermonate haltbar macht.“

Dass die Edelkastanie mit den Römern und dem Wein nach Oberweier kam, können die Wanderer auf dem Keschteweg, dem 5,7 Kilometer langen Rundweg um den 536 Meter hohen Eichelberg, nachvollziehen.  „Das Holz der Kastanie wurde für die Rebpfähle verwendet oder für den Bau von Weinfässern“, erzählt Daniela Walter. An die Geschichte der Römer erinnert die Villa Rustica, die vermutlich durch die Alemannen im dritten Jahrhundert zerstört wurde. 1976 wurden an der Grenze zwischen Oberweier und Winkel Reste eines römischen Gutshofs ausgegraben.

Durch die Hohlwege wurde einst der schwere rote Sandstein mühsam durch den Wald gezogen. Abgebaut wurde er im Festungssteinbruch am Eichelberg. Verwendet wurde er für den Bau des Rastatter Schlosses. Heute bauen Fuchs und Dachs und einige andere Tierarten ihre Höhlen in den Lösswänden.   

 

Ein Weg für die ganze Familie

Familien mögen diesen Weg mit seinen leichten Anstiegen. Weil er befestigt ist, eignet er sich für Kinderwagen und Rollatoren. „Man kann den Weg gut abkürzen“, sagt Melanie Wörner, eine junge Mutter, die mit Kinderwagen und Hund unterwegs ist, „dann ist die Runde nur 3,6 Kilometer lang.“ Wer gerne etwas mehr läuft, kann noch den Guck‘naus-Weg erwandern, eine 5,4 Kilometer lange Schleife mit zwei tollen Aussichtspunkten: In der Nähe der Sophienhütte können Wanderer über die Vorbergzone von Bad Rotenfels über Bischweier bis Muggensturm blicken. Der zweite Aussichtspunkt liegt am Saumweg in der Nähe der Jagdhütte und eröffnet eine Sicht über die Rheinebene bis zu den Vogesen.

Immer dem Igel nach, verheißt die umfangreiche Ausschilderung. Lehrreich – nicht nur für Kinder – ist der Baumlehrpfad mit Thementafeln zu heimischen Baumarten. Zum genauen Hinschauen lädt der Wer-bin-ich-Pfad ein: Fährten von Wildtieren sind auf den Klapptafeln abgebildet; im Inneren erfahren Neugierige mehr über die jeweilige Art. „Wir wollten einfach Motivation schaffen für Kinder, die gerne etwas entdecken“, erläutert Daniela Walter. Neben ihr gehören Mario Würtz, Herbert Haller, Winfried Dörfler und Katharina Böttcher  der IG Keschteweg-Freunde an, die den Weg hegt und pflegt.  Motivation, die große Schleife gleich mitzunehmen, bietet der Schnapsschrank. Hier können heimische Obstbrände und Liköre probiert werden. Für Kinder gibt’s Cola oder Fanta, mit der sie anstoßen können.

 

Wohnmobilstellplatz auf dem Sportplatz

Camper, die die Ruhe des Keschtedorf schätzen, die Natur und das milde Klima, sind willkommen: Der Wohnmobilstellplatz an der Eichelberghalle wird gern genutzt. Manchmal haben die Besucher das Glück, den Faustballspielern auf dem benachbarten Sportplatz zuschauen zu können und hochkarätigen Sport zu erleben. Die Faustballer machen nicht nur eine sehr gute Jugendarbeit, sondern spielen auch in den höheren Ligen mit – sogar bei der Deutschen Meisterschaft. Inzwischen gibt es auch ein Beachvolleyballfeld, das gut angenommen wird.

Tipp: Wer heimische Produkte wertschätzt, für den lohnt sich ein Besuch des Obstweinguts Knoerzer. Freitags von 17.30 bis 21.30 Uhr ist der Verkaufsraum mit einem kleinen Café geöffnet. Service: Der Keschteweg startet an der Eichelberghalle, Hauleweg 1, 76571 Gaggenau-Oberweier. Dort stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung.

Der Keschteweg in der SWR Landesschau