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Gerne trug sich Landesministerin Marion Gentges in das goldene Buch der Stadt ein.
© Stadt Gaggenau

07.11.24

Seit 22 Jahren gibt es den Präventionsverein für ein Lebenswertes Murgtal. Er könnte landesweit Schule machen – denn die baden-württembergische Ministerin für Justiz und Migration – zeigte sich beeindruckt von der Einrichtung. Vergangene Woche nahm sich Marion Gentges über zwei Stunden Zeit, um sich über die Arbeit des Vereins zu informieren und den Niedrigseilparcours in Bad Rotenfels kennenzulernen. „Das hat Vorbildcharakter", resümierte Ministerin Gentges sichtlich beeindruckt nachdem sie selbst einen kleinen Teil des Parcours absolviert hatte.

Ihr Dank galt deshalb Regierungspräsidentin Sylvia Felder, die gleichzeitig auch eine der Vorsitzende des Vereins ist und ihr einen Besuch im Murgtal empfohlen hatte. „der Präventionvereins ist ein Juwel", bekräftigte auch Oberbürgermeister Michael Pfeiffer die Bedeutung des murgtalweiten Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, präventive Maßnahmen zu koordinieren und auch zu organisieren. „Dadurch soll das Murgtal sicherer und attraktiver gemacht werden", erklärte auch Andreas Seitz, der von Anfang an dabei ist. Im Jahr 2002 wurde der Verein für Prävention und Sicherheit durch Helmut Reiß, Gerrit Große und Konrad Weber gegründet. Dabei war schon immer wichtig gewesen, das sich die Vorstandschaft aus dem Leiter des Polizeireviers, dem Bürgermeister und einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zusammensetzt. Heute bilden Sylvia Felder, Michael Pfeiffer und Jens Vogel das Vorstandsteam. Über die Jahre wurden verschiedene Projekte und Aktivitäten entwickelt, blickte der pensionierte Polizeibeamte Seitz beispielsweise auf Drogenpräventionstage, Drogenzirkel, auf Fußballturniere für Toleranz sowie auf Maßnahmen mit Jugendlichen zurück wie „Jung mit Perspektive". Im Jahr 2008 wurde der Niedrigseilparcours errichtet und schon bald die ersten Teamtraining-Angebote für Grundschule organisiert. „Mut statt Wut" statt heißen erlebnispädagogische Ansätze, die den Kindern auch spielerisch Tipps zur Selbstregulierung vermitteln sollen. Zu einem Erfolgsmodell entwickelte sich das Theaterprojekt „Irmi und das Nein" zum Thema sexueller Missbrauch, das sich an Kindergartenkinder und erste Klassen richtet.

Sehr gut habe auch im Jahr 2016 bis 2018 die Arbeit mit Flüchtlingskindern funktioniert, berichten Seitz und Georg Bierbaums von der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Ob beim Fußball, beim Schwimmen oder Theater – die Präsentationen der beiden ehemaligen Polizisten zeigte wie vielfältigen Möglichkeiten auf mit denen der Präventionsverein versucht, Integrationsarbeit zu leisten oder benachteiligten Kindern Teilhabe und Chancen zu ermöglichen. Seit dem Frühjahr 2021 ist der Verein Träger der freien Jugendhilfe. Medien-, Gewalt und Drogenprävention bilden nach wie vor den Schwerpunkt des Vereins, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten über 400.000 Euro in diese Arbeit investiert hat.

Wie wichtig diese Arbeit ist, unterstrich die Ministerin mit einem Verweis auf die aktuelle Statistik, wonach die jugendlichen Straftäter immer jünger werden. Unter den Zehn- bis 14-Jährigen, die noch strafunmündig seien, verzeichne man einen Zuwachs um 63 Prozent. „Das ist höchst alarmierend", sagte Gentges, die es deshalb auch erforderlich sieht, „zu überlegen wie man künftig mit strafunmündigen Tätern unter 14 Jahren umgeht".

Auch Regierungspräsidentin Sylvia Felder bedauerte, dass es bislang keine staatliche Möglichkeit gebe, unter 14-Jährige zu sanktionieren.Georg Bierbaums, frisch pensionierter Jugendsachbearbeiter bei der Polizei, wies auf die Probleme in der Kriminalprävention hin, die die Polizei habe. Neben fehlendem Personal und fehlenden Geld, bemängelte er, dass es keine Verbindlichkeit für Kriminalprävention in den Kommunen gebe. Er gab der Ministerin einige Lösungsansätze mit auf den Weg nach Stuttgart.

Der Austausch mit der Ministerin endete mit einem Besuch des Niedrigseilparcours sowie des angrenzenden Sportfeldes. Mit Übungen und Aufgaben wird hier Kommunikation, sowie Team- und Konfliktfähigkeit gefördert. Gegenseitige Hilfe, Unterstützung und Rücksichtnahme werden durch die Trainer immer wieder thematisiert und stärken so den Zusammenhalt der Gruppe. „Hier entwickeln sich immer Gespräche", berichtet Sabine Geiges, die für den Parcours und die Trainingsangebote zuständig ist.