30.7.26
Die Herausforderungen im Bereich der Kindertagesbestreuung sind groß und erfordern weiterhin strategische Maßnahmen: Rückläufige Kinderzahlen, eine sich verändernde Gesellschaft und eine unsichere Finanzlage sind nur einige Faktoren. Dies wurde in der jüngsten öffentlichen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses deutlich, als es um die Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplanes ging. Diesen verabschiedete das Gemeinderatsgremium für das Kindergartenjahr 2026/2027.
„In den zurückliegenden Jahren waren die Gruppen- und Platzanzahl konstant. Wir haben sogar um jeden Quadratzentimeter gerungen, um Plätze zu schaffen. Jetzt wendet sich aber das Blatt“, findet Liliana Erbesdobler, Leiterin der städtischen Abteilung Bildung und Betreuung deutliche Worte. Längst nicht mehr alle Kindergartenplätze sind belegt, obwohl bereits im laufenden Betreuungsjahr Plätze abgebaut wurden. Jeweils 24 Plätze in den Bereichen der Unter-Dreijährigen und der Über-Dreijährigen werden nicht in Anspruch genommen. „Wir müssen die Entwicklung der Kinderzahlen im Blick behalten“, betont Erbesdobler. Neben rückläufigen Geburtenzahlen machen die hohen Kosten der Kindertagesbetreuung eine sorgfältige Prüfung der Bedarfslage unabdingbar. Schließlich brauchen die Träger und die Stadtverwaltung gleichermaßen Planungssicherheit, damit auch in Zukunft eine bedarfsgerechte sowie qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sichergestellt werden kann.
Im städtischen Kindergarten Freiolsheim wurde in diesem Betreuungsjahr bereits eine Kleingruppe geschlossen. Die verbleibende Gruppe (22 Plätze) müsse wegen mangelnder Nachfrage in eine Kleingruppe umgewandelt werden. Die Verwaltung hat die Entwicklung im Blick. Sollte die Nachfrage steigen, kann die Gruppenstärke jederzeit wieder erweitert werden. „Der Rechtsanspruch auf Betreuung wird in Gaggenau vollumfänglich erfüllt“, so die Stadtverwaltung. „Es werden ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.“
Der Kindergartenbedarfsplan in Zahlen
Grundlage des Kindergartenbedarfsplans sind die aktuellen Einwohnerzahlen und die Entwicklung der vergangenen Jahre. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Unter-Dreijährigen. Lebten Ende 2023 noch 796 Kinder dieser Altersgruppe in Gaggenau, waren es Ende 2025 noch 657. Auch die Zahl der Drei- bis Sechsjährigen ist gesunken – von 897 auf 879 Kinder.
Damit verringert sich auch der rechnerische Bedarf an Betreuungsplätzen. Im Kindergartenjahr 2026/2027 werden rund 240 Plätze für Kinder unter drei Jahren sowie 925 Plätze für Kinder im Kindergartenalter benötigt. Für die kommenden Jahre wird ein weiterer Rückgang erwartet.
Um das Angebot an diese Entwicklung anzupassen, wurden bereits im laufenden Kindergartenjahr einzelne Gruppen stillgelegt. Weitere Änderungen treten zum Kindergartenjahr 2026/2027 in Kraft. Dazu gehören neben der Umwandlung einer altersgemischten Gruppe im städtischen Kindergarten Freiolsheim in eine Kleingruppe Anpassungen in mehreren katholischen Kindergärten: In St. Michael entfällt die Altersmischung, in St. Nikolaus fallen neun Betreuungsplätze in verlängerter Öffnungszeit (VÖ) weg und in St. Antonius wird eine VÖ-Kleingruppe stillgelegt.
Für das Kindergartenjahr 2027/2028 sind weitere Anpassungen vorgesehen: Die VÖ-Krippengruppe im Kindergarten St. Marien und eine Ganztags-Krippengruppe im Kinderhaus Wiesenwichtel werden stillgelegt (insgesamt 20 Plätze im Krippenbereich). Zudem werden vier Kindergartengruppen – insgesamt 64 Plätze – geschlossen im Kinderhaus MurgWichtel, im Kindergarten St. Laurentius, im Kindergarten St. Antonius und im städtischen Kindergarten Hörden.
Neben der Bedarfsentwicklung nimmt der Kindergartenbedarfsplan auch die bauliche Zukunft der Einrichtungen in den Blick. So ist für den katholischen Kindergarten St. Anna in Sulzbach ein Neubau vorgesehen. Der katholische Kindergarten St. Nikolaus in Selbach soll renoviert werden.
