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Das Foto zeigt OB Michael Pfeiffer auf einer maroden Straße in Gaggenau.
OB Michael Pfeiffer appelliert an Bund und Land, mehr Mittel bereitzustellen.
© Stadt Gaggenau

19.6.26

Am Montag, 22. Juni, um 11.55 Uhr schließen Rathäuser, Landratsamt und kommunale Einrichtungen im Landkreis Rastatt für fünf Minuten ihre Türen. Auch in Gaggenau wird das Rathaus zu sein. Nicht wegen einer Störung — sondern als bewusstes Zeichen. Fünf Minuten. Symbolisch. Damit die Bürgerinnen und Bürger wissen, was auf dem Spiel steht, wenn die Politik nicht handelt

 

Was hinter diesem Zeichen steckt

Die Kommunen in Deutschland sind finanziell an ihre Grenzen gestoßen. Das kommunale Defizit in Deutschland erreichte 2025 mit rund 30 Milliarden Euro einen historischen Höchststand. Auch in Gaggenau sind die Auswirkungen spürbar: Seit 2024 schreibt die Stadt jährlich rote Zahlen – 3,6 Millionen Euro im Jahr 2024, 9,9 Millionen Euro im Jahr 2025. Für 2026 wird ein weiteres Minus von 8,2 Millionen Euro erwartet. In drei Jahren summiert sich das auf 21,7 Millionen Euro Defizit. Und auch für die Folgejahre werden Millionendefizite erwartet.

Diese Zahlen stehen nicht für schlechte Haushaltspolitik. Sie stehen für ein strukturelles Problem: Bund und Land übertragen den Kommunen immer mehr Aufgaben und immer höhere Standards — ohne die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Besonders die stetig steigenden Sozialausgaben, die bundesgesetzlich vorgeschrieben sind, treffen Landkreise und Gemeinden hart.

 

Was das konkret bedeutet

Die Finanzkrise ist keine abstrakte Zahl. Sie entscheidet darüber, ob die Gemeinde Schulen sanieren und Bibliotheken offen halten kann, Schwimmbäder, Kultur- und Sportangebote finanziert, den Bus fahren lässt und die Straßen unterhält sowie Feuerwehr, Jugendarbeit und soziale Angebote verlässlich bereitstellt. Wenn die Mittel fehlen, trifft das zuerst das, was keine gesetzliche Pflicht ist — und das ist oft das, was das Leben vor Ort lebens- und liebenswert macht.

 

Was wir fordern

Der Aktionstag „Kommunen am Limit" wurde von den drei kommunalen Spitzenverbänden — Deutschem Städtetag, Deutschem Landkreistag und Deutschem Städte- und Gemeindebund — ausgerufen. Gemeinsam fordern wir von Bund und Land die vollständige Beseitigung des kommunalen Finanzierungsdefizits, eine jährliche Soforthilfe zur Überbrückung der akuten Krise, einen höheren kommunalen Anteil an den Gemeinschaftssteuern, echte Reformen in den sozialen Sicherungssystemen sowie die konsequente Umsetzung des Grundsatzes: „Wer bestellt, bezahlt. Jede Aufgabe, die Bund oder Land auf die Kommunen übertragen, muss vollständig und dauerhaft finanziert werden“, fordert auch Oberbürgermeister Michael Pfeiffer fordert mehr Unterstützung von Bund und Land ein. 

Der Landkreis Rastatt steht mit seinen 23 Städten und Gemeinden für diese Forderung gemeinsam ein. Fünf Minuten geschlossene Türen am 22. Juni sind kein Ende — sie sind eine Warnung. Im Gaggenauer Rathaus werden um 11.55 Uhr für fünf Minuten symbolisch die Lichter im Rathaus ausgehen und Uhren an den Eingangstüren anzeigen, dass die Zeit zum Handeln längst überfällig ist.