17.9.26
Ein Staubsauger, ein mehrere Meter langes Saugrohr und eine Drehleiter: Mit ungewöhnlicher Ausrüstung rückte der ehrenamtliche Hornissenbeauftragter Peter Westermann am Montag in der Alois-Degler-Straße an. Sein Ziel hing hoch oben in einem Baum: ein großes Nest der Asiatischen Hornisse mit schätzungsweise weit über 1500 Tieren.
Für die Entfernung musste die Alois-Degler-Straße teilweise gesperrt werden. Die Freiwillige Feuerwehr Gaggenau unterstützte Westermann mit der Drehleiter und brachte ihn samt seiner Ausrüstung hinauf zum Nest. Mehr als eine Stunde dauerte der Einsatz.
Oben angekommen, begann die eigentliche Arbeit. Westermann saugte nach und nach die im Nest befindlichen Hornissen ab. Die Tiere landeten dabei nicht in einem gewöhnlichen Staubsaugerbeutel, sondern in einem dafür vorgesehenen Holzkasten. Am Ende befanden sich darin nach Schätzung des Experten rund 1.500 Asiatische Hornissen.
Erst als kaum noch Tiere aus dem Nest kamen, konnte Westermann dieses vollständig vom Baum entfernen und in einem Beutel verstauen. Nest und eingesaugte Hornissen werden nun für zwei Tage tiefgefroren. Dadurch sterben sowohl die Tiere als auch die im Nest vorhandene Brut ab. Auch bei einem kürzlich im Kurpark entfernten Nest wurde dieses Verfahren angewandt.
Für Westermann war der Einsatz nicht so ungewöhnlich wie für die Anwohner, die den Einsatz verfolgten: Rund 20 Nester der Asiatischen Hornisse hat er allein in diesem Jahr bereits entfernt. Und in den kommenden Wochen dürften noch einige hinzukommen.
Denn im Laufe eines Jahres wechselt die Asiatische Hornisse gewissermaßen ihre „Wohnung“. Im Frühjahr gründet die Königin zunächst ein sogenanntes Primär- oder Gründungsnest. Diese zunächst kleinen Nester entstehen häufig an geschützten und vergleichsweise niedrigen Stellen, beispielsweise unter Dachvorsprüngen, in Gartenhütten, Hecken oder Rollladenkästen.
Im Verlauf des Sommers legt das wachsende Volk dann ein deutlich größeres Sekundärnest an. Diese Nester befinden sich häufig hoch oben in Baumkronen – vielfach in mehr als zehn Metern Höhe. Sie können bis zu etwa einen Meter groß werden. Im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst können die Völker ihre maximale Größe mit bis zu rund 2.000 Tieren erreichen. Gerade jetzt werden deshalb zunehmend die großen Nester in den Baumkronen sichtbar; viele werden erst entdeckt, wenn im Herbst die Blätter fallen.
Warum die Nester entfernt werden
Die Asiatische Hornisse ist eine invasive, gebietsfremde Art, die sich in Baden-Württemberg stark ausgebreitet hat. Allein 2025 wurden landesweit rund 3.300 Nester gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Besonders im Spätsommer können Honigbienen einen erheblichen Teil ihrer Beute ausmachen. Dadurch können insbesondere bereits geschwächte Bienenvölker zusätzlich unter Druck geraten. Auch im Obst- und Weinbau kann die Asiatische Hornisse Schäden verursachen. Auch wenn die Asiatische Hornisse inzwischen in Deutschland als „weit verbreitet“ gilt und damit nicht mehr jedes Nest aufgrund einer gesetzlichen Beseitigungspflicht entfernt werden muss, bleibt die Eindämmung und das Management der Art wichtig. Die Stadt Gaggenau unterstützt deshalb gemeinsam mit dem Bezirksimkerverein die fachgerechte Entfernung von Nestern. Bereits im Frühjahr hatte die Stadt den Kauf einer speziellen Lanze bezuschusst, mit der Nester in bis zu 30 Metern Höhe erreicht und die Hornissen ohne Insektizide bekämpft werden können.
Nester bitte melden – und Abstand halten
Wer ein vermeintliches Nest der Asiatischen Hornisse entdeckt, sollte nicht selbst tätig werden und ausreichend Abstand halten. Wer ein Nest der Asiatischen Hornisse findet, wird gebeten, per E-Mail ein Foto des Nests sowie Informationen zur Lage und zum Standort an die Umweltabteilung der Stadt zu schicken: umwelt@gaggenau.de
Mit Wasserdampf gegen die Asiatische Hornisse
Der Imkerverein Gaggenau bekommt Unterstützung im Kampf gegen die Asiatische Hornisse: Die Stadt Gaggenau spendet für den Kauf einer neuen Speziallanze 2.500 Euro. Auch weitere Unterstützer beteiligen sich an den Kosten für die rund 6.600 Euro teure Lanze.
Mit der neuen Lanze können Peter Westermann und andere geschulte Mitglieder des Imkervereins Nester der Asiatischen Hornisse auch in großer Höhe erreichen. Die Lanze kann bis zu 30 Meter hoch eingesetzt werden. Dadurch ist nicht immer eine Hebebühne oder ein Feuerwehreinsatzfahrzeug benötigt.
Die Hornissen werden mit heißem Wasserdampf bekämpft. Zunächst können die Tiere mit einem Sauger aus dem Nest abgesaugt werden. Anschließend wird rund 100 Grad heißer Wasserdampf in das Nest gesprüht. Die verbleibenden Hornissen und die Brut werden dadurch abgetötet. Das funktioniert ganz ohne chemische Mittel.
Bisher hatte der Verein eine Lanze im Einsatz, mit der Gesteinsmehl in die Nester eingebracht wird. Das feine Pulver haftet an den Hornissen und führt dazu, dass die Tiere sterben. Die neue Speziallanze arbeitet dagegen mit heißem Wasserdampf und bietet dem Verein damit eine weitere Möglichkeit, Nester der Asiatischen Hornisse zu beseitigen.
