17.7.26
160 Kilometer Straßennetz hat die Stadt Gaggenau. Viele Streckenabschnitte sind sanierungsbedürftig. Der Gemeinderat hat am Montagabend einem neuen Straßensanierungskonzept zugestimmt. Ziel ist es, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln deutlich mehr Straßenabschnitte zu sanieren und den Sanierungsstau langfristig zu verringern.
Grundlage für das bisherige Konzept war eine Zustandserfassung aus dem Jahr 2011. Damals wurden alle Straßen bewertet und nach ihrem Zustand sowie ihrer Bedeutung für den Verkehr priorisiert. Seither galt die Regel, stets die schlechtesten Straßen zuerst zu sanieren.
Wie Abteilungsleiter Volker Wickersheimer erläuterte, hat sich diese Vorgehensweise in der Praxis jedoch als wenig wirtschaftlich erwiesen. Stark beschädigte Straßen müssen meist im Vollausbau saniert werden. Dabei werden nicht nur die Asphaltflächen erneuert, sondern auch der komplette Unterbau ausgetauscht. Solche Maßnahmen sind aufwendig, teuer und dauern entsprechend lange. Hinzu kommt, dass sich die Baukosten in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt haben, unter anderem aufgrund deutlich gestiegener Entsorgungskosten. Dadurch konnten trotz regelmäßiger Investitionen jährlich nur wenige Straßen grundlegend erneuert werden.
Künftig setzt die Stadt deshalb auf den sogenannten „besten Eingreifzeitpunkt“. Straßen sollen bereits dann saniert werden, wenn sich mit vergleichsweise geringem Aufwand ihre Lebensdauer deutlich verlängern lässt. In vielen Fällen genügt es, die obere Asphaltdeckschicht zu erneuern. Dadurch können Straßen um weitere 20 bis 30 Jahre erhalten werden, bevor eine teure Grundsanierung erforderlich wird. Gleichzeitig verkürzen sich die Bauzeiten erheblich, wodurch auch die Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner geringer ausfallen.
Grundlage für das neue Konzept ist eine erneute Zustandserfassung aus dem Jahr 2023. Sie zeigt, bei welchen Straßen der optimale Zeitpunkt für eine wirtschaftliche Sanierung erreicht ist.
Nach dem neuen Konzept sollen künftig rund 70 Prozent der verfügbaren Mittel für diese vorbeugenden Erhaltungsmaßnahmen eingesetzt werden. Die übrigen 30 Prozent fließen weiterhin in die Sanierung besonders stark beschädigter Straßen. Dabei sollen bevorzugt Straßen berücksichtigt werden, in denen gleichzeitig Kanäle erneuert werden müssen, um Synergieeffekte zu nutzen und Mehrfachbaustellen zu vermeiden. Während die Erneuerung der Asphaltdeckschicht je nach Maßnahme zwischen rund 60 und 150 Euro pro Quadratmeter kostet, liegen die Kosten für einen Vollausbau bei etwa 300 bis 400 Euro pro Quadratmeter. Mit dem neuen Konzept kann die Stadt deshalb bei gleichem Budget deutlich mehr Straßen sanieren.
Bereits mit den vorhandenen Mitteln steigt die jährlich sanierte Straßenlänge von bisher rund 600 Metern auf etwa 1,7 Kilometer.
Wie Volker Wickersheimer auf Nachfrage aus dem Gemeinderat erläuterte, investiert die Stadt derzeit jährlich rund eine Million Euro in die Straßensanierung. Um den Sanierungsstau deutlich schneller abzubauen, wären nach seiner Einschätzung Investitionen von etwa fünf Millionen Euro pro Jahr erforderlich. Allerdings wäre dafür auch zusätzliches Personal notwendig, um die deutlich höhere Zahl an Maßnahmen überhaupt planen, ausschreiben und begleiten zu können.
Zu den Straßen, die nach dem neuen Konzept in den kommenden Jahren vorgesehen sind, gehören unter anderem die Schulstraße, Waldstraße, Haydnstraße, Heppler Straße, Anselm-Feuerbach-Straße, Im Grünling, Unimogstraße, Wilhelm-Busch-Straße, Konrad-Adenauer-Straße, An den Badäckern, Jasminstraße, Alois-Degler-Straße, Feldstraße, Hans-Jakob-Straße, Wolfahrtsweg, Hördener Straße, Rißweg, Rembrandtstraße, Freiherr-vom-Stein-Straße, Brahmsstraße, Humpertstraße und der Hördelsteiner Weg.
Mit dem neuen Straßensanierungskonzept verfolgt die Stadt das Ziel, den Wert ihres Straßennetzes langfristig zu erhalten und die vorhandenen Haushaltsmittel möglichst wirtschaftlich einzusetzen.
