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OB Christof Florus übergab bei seinem Besuch erneut einen Spendenscheck.
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31.05.2022

In Folge der Ukraine-Krise wollte sich Oberbürgermeister Christof Florus persönlich ein Bild von der Situation in der polnischen Partnerstadt Sieradz machen. Nach fast neun Jahren, bedingt auch durch die Corona-Pandemie, war es der erste offizielle Besuch des Oberbürgermeisters bei seinem Amtskollegen Pawel Osiewala. Gemeinsam mit Heinz Adolph als Vertreter des Stadtrates und Hauptamtsleiter Georg Feuerer für die Gaggenauer Stadtverwaltung, bedeutete dies mit einer kleinen, repräsentativen Delegation ein Neustart für die partnerschaftliche Beziehung, die lange Zeit geruht hatte. Schon beim Empfang im Amtszimmer des Stadtpräsidenten sprang bei einem herzlichen Empfang der Funke über. Ein erster Austausch über kommunalpolitische Themen zeigte Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede der beiden Partnerstädte auf.

Als Zeichen der Solidarität bei der aktuellen Bewältigung der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine überreichte Oberbürgermeister Florus einen Scheck von 5.000 Euro aus Spendengelder der Gaggenauer Bürger. Bereits vor einigen Wochen hatte die Stadt Gaggenau einen Hilfstransport mit verschiedenen Gütern im Wert von 16 000 Euro nach Sieradz organisiert. Insgesamt haben rund 800 Ukraine-Flüchtlinge, vornehmlich Frauen und Kinder, in Sieradz Schutz gefunden. Die direkte Verwendung der Spenden wurde beim Besuch einer Flüchtlingsunterbringung am Rande der Innenstadt deutlich. Die Stadt Sieradz hat dort eine ehemalige Hochschule für Lehrerausbildung notdürftig als Flüchtlingsheim eingerichtet, in dem aktuell etwa 50 Geflüchtete leben. Sie zeigten sich sehr dankbar für die finanzielle und materielle Unterstützung. Als symbolisches Zeichen ihrer Dankbarkeit überreichten die Flüchtlinge im Beisein der Gaggenauer eine ukrainische Fahne mit ihren Unterschriften an den Stadtpräsidenten. Ebenfalls zu Gunsten ukrainischer Flüchtlinge fand am Samstagabend ein Benefizkonzert, gestaltet von einheimischen Musikern, im Theater in Sieradz statt, das die Delegation aus Gaggenau ebenfalls besuchte.

Sieradz ist eine der ältesten Städte Polens mit aktuell knapp 43.000 Einwohner. Im Stadtzentrum steht ein altes Dominikanerkloster, das heute vom Orden der Ursulinerinnen geführt wird. Die in der Nähe stehende Basilika ist ebenfalls Zeugnis der reichhaltigen Geschichte von Sieradz, die eine kurze Zeit gar Königssitz war. Mit einem mittelalterlichen Familienfest, das am Wochenende des Partnerschaftsbesuches stattfand, wird diese Tradition noch aufrechterhalten.

Dank der Zugehörigkeit zur Europäischen Union entwickelt sich die polnische Wirtschaft sehr positiv. Da ausreichend Fläche vorhanden ist, kann Sieradz unbegrenzt Gewerbegebiete ausweisen und Investoren günstig anbieten. Der Besuch einer in nur neun Monaten errichteten und 2019 in Betrieb genommenen Fliesenfabrik sowie einer modernen Zuliefererfirma für Spülmaschinen zeugen von der sich entwickelnden Wirtschaftskraft der Stadt. Beeindruckend war vor allem der hohe Automatisierungsstand in der Produktion. Auch ökologisch möchte sich die Stadt entwickeln und unabhängig von fossilen Energien machen. Derzeit wird ein großes Geothermie-Kraftwerk errichtet, das in nächster Zeit nahezu die ganze Stadt mit Wärme versorgen soll.

Der Partnerschaftsbesuch ermöglichte einen fruchtbaren Austausch zwischen den Stadtoberhäuptern, mit der Verwaltungsspitze und dem Gemeinderat. Man versicherte sich gegenseitig, auf dieser Basis weiterzuarbeiten und sich öfters gegenseitig zu besuchen. Stadtpräsident Osiewala freute sich über die Einladung zum Gaggenauer Stadtjubiläum im September und kündigte bereits sein Kommen an.