20.03.25
Seitdem die Stadt Ende 2023 das ehemalige Parkhotel erworben hat, hat sich hinter den Kulissen einiges getan. Auch wenn das Hotel von außen betrachtet immer noch im Dornröschenschlaf liegt, „so wurde intensiv daran gearbeitet, dass es in ein paar Jahren in neuem Glanz erstrahlt“, erklärte Oberbürgermeister Michael Pfeiffer am Dienstag in einem Pressegespräch.
Die letzten Monate seien genutzt worden, um den Zustand des Haues genauestens zu untersuchen und zu analysieren. Parallel dazu liefen Gespräche mit möglichen Nutzern des Hauses und vor allem „haben wir geschaut wie wir alles finanziell umsetzen können“, erklärte Pfeiffer auch mit Blick auf die angespannte Haushaltssituation der Stadt. So setzt die Stadt bei der Sanierung und Renovierung des Hauses stark auf Fördermittel und Zuschüsse.
Er sowie Professor Dr. Rupert Felder, Vorsitzender der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal, sind weiter optimistisch, dass mit dem Haus der Inklusion ein Leuchtturmprojekt verwirklicht werden kann. „Wir setzen auf den Dienstleistungsbereich und freuen uns schon sehr auf das Inklusionshotel, in dem Mitarbeiter von uns mitarbeiten und wohnen können“, erklärte Dr. Felder. Der Inklusionsbetrieb stehe in seinen Grundzügen, betonte Felder. Auch die Lebenshilfe baut bei der Umsetzung auf Anschubfinanzierung durch verschiedene Fördertöpfe.
Einen Wermutstropfen gebe es allerdings, räumte Pfeiffer im Gespräch ein. Da man auf Zuschüsse setzt, die teilweise über 60 Prozent betragen, verzögert sich die zeitliche Abwicklung. „Wir können erst in die Planungen und Vergaben der Arbeiten einsteigen, wenn wir in die Förderprogramme aufgenommen wurden“, erklärte Pfeiffer. So werde der Antrag für die Städtebauförderung und für das Tourismusinfrastrukturprogramm bis Oktober 2025 gestellt. „Läuft alles gut, erhalten wir im Frühjahr 2026 den Förderbescheid und können mit dem Vergabeverfahren beginnen“. Dann könnten auch noch im Jahr 2026 die ersten Arbeiten in Angriff genommen werden.
Welche Arbeiten stehen an?
Im vergangenen Jahr wurden die unterschiedlichsten Gewerke untersucht, um einen Überblick über den Zustand des Hauses zu erhalten. Neben der Elektrotechnik, wurden Brand- und Blitzschutz untersucht sowie der Zustand der Fenster in Augenschein genommen. Außerdem wurde die Heizungs- und Lüftungstechnik geprüft sowie der Zustand der sanitären Anlagen. Die Kosten für die Grundsanierung des Gebäudes wird auf 8,5 Millionen Euro geschätzt. Die Kostenschätzung umfasst neben der Renovierung der Außenfassade samt Arbeiten an Fenster und Türen, auch die Sanierung des Flachdaches sowie die Erneuerung der Aufzüge. Dazu kommt zudem der Austausch der Trinkwasser- und Schmutzwasserleitungen sowie die Umstellung der Heizungsanlage auf Fernwärme. Auch die Lüftungstechnik müsse auf Vordermann gebraucht werden und Anlagen getauscht werden. Um das Haus wieder in Betrieb nehmen zu können, sind zudem zahlreiche Elektroarbeiten nötig. Hier gehe es unter anderem um die Umstellung der Beleuchtung, um Brandmeldeanlage, die Erneuerung der Blitzschutzanlage aber auch um neue Leitungen und eine neue Zählerverteilung für die verschiedenen Nutzer.
Der allgemeine Ausbau der einzelnen Stockwerke für die verschiedenen Nutzungen ist in der Kostenschätzung nicht enthalten.
Welche Auswirkungen hat die Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmale?
Im Oktober 2024 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, da an seiner Erhaltung ein künstlerisches, wissenschaftliches und heimatgeschichtliches Interesse besteht. Als besonders schützenswert wurde beispielsweise die Fassadengestaltung und Ausstattung mit Ziergitter und Zierkugeln erachtet. Ebenso der Treppenkern, die Baldachinen und Dachaufbauten sowie der Terrassen- und Küchenbau. „Wir sind mit dem Denkmalschutz in guten Gesprächen“, zeigte sich Pfeiffer überzeugt davon, dass der Denkmalschutz die einzelnen Vorhaben nicht ausbremsen werde. Die Rezeption soll beispielsweise erhalten bleiben. „Aber es ist egal wo im Haus sie integriert wird“. Gerade auch zahlreiche vergoldete Zierelemente oder Decken- und Wandgestaltungen wurden als schützenswert erachtet. Auch soll exemplarisch ein Hotelzimmer erhalten bleiben.
Welche Nutzungen sind geplant?
In den unteren beiden Geschossen werden die Stadtwerke ihre Heizzentrale für die Fernwärme einrichten. Zudem sind Lagerräume geplant. Im ersten Erdgeschoss ist Gastronomie vorgesehen sowie die Rezeption für das Inklusionshotel. Dabei ist geplant, dass es in der Weinstube wieder eine gehobene Gastronomie geben soll und in der Hechtstube gut bürgerliche Küche angeboten werden soll. Im ersten Obergeschoss sind gesundheitsnahe Dienstleistungen vorgesehen. Im zweiten und dritten Obergeschoss sollen sich künftig die Gäste des Inklusionshotels entspannen und im fünften Obergeschoss soll der Wohnbereich für Menschen mit Einschränkungen eingerichtet werden.
Für all die Planungen im Hintergrund wurden bereits zwei Gremien gegründet, berichtete Dr. Felder. So gibt es einen Begleitkreis „Haus der Inklusion“, in dem sich Vertreter des Gemeinderates und der Lebenshilfe mit der Umsetzung des Haus der Inklusion beschäftigten. Zu mehreren Sitzungen traf sich zudem eine Finanzgruppe mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Lebenshilfe, um Nutzungskonzepte zu erarbeiten, die Wirtschaftlichkeit zu prüfen und Verträge zu schließen. Die Nutzungskonzeption steht kurz vor ihrem Abschluss und soll bis zum Sommer 2025 fertig sein. Parallel dazu sollen nun auch Mietvorverträge mit den Nutzern geschlossen werden. Für alle Flächen gibt es Interessenten, freut sich der Oberbürgermeister.
