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Premiere auf der B 462.
© Stvw.

03.07.2021

Die Pilotstrecke zu elektrisch betriebenen Oberleitungs-Hybrid-Lastkraftwagen auf der Bundesstraße im Murgtal bei Rastatt startet eine dreijährige Testphase. Das Projekt soll dabei helfen, den Straßengüterverkehr klimafreundlicher und nachhaltiger zu gestalten.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, und der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann haben am vergangenen Montag die Pilotstrecke von eWayBW feierlich in Betrieb genommen. eWayBW ist ein Pilotprojekt zu elektrisch betriebenen Oberleitungs-Hybrid-Lastkraftwagen (Lkw). Auf einer etwa 18 Kilometer langen Pilotstrecke (davon vier Kilometer elektrifiziert). Auf der Bundesstraße  können Lkws mit entsprechender Technik über Oberleitungen Fahrstrom beziehen. Gleichzeitig wird eine Batterie aufgeladen, die dem Lkw eine emissionsfreie Weiterfahrt nach Beenden der Oberleitung ermöglicht. Die Testphase dauert bis Juni 2024 an. Beeindruckt von der Art und Weise der Technik sowie dem fast geräuschlosen Fahren zeigte sich auch Oberbürgermeister Christof Florus, der als einer der ersten eine Probefahrt miterlebte. Vor allem das Ein- und Ausfädeln muss von den Fahrern etwas geübt werden, damit ihr Lkw auch tatsächlich "unter Strom steht". 
 

Güterverkehr wird klimafreundlicher

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, sagte: "Mit der modernen Technik wird der Güterverkehr klimafreundlicher. Der heutige Tag ist daher ein weiterer wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz. Es muss natürlich mehr Verkehr auf die Schiene – auch eine Herausforderung, die mancherorts an ihre Grenzen stößt. Wir brauchen deshalb beides: Ausbau der Schiene und klimafreundliche Lösungen für die Straße. Oberleitungs-Lkw können eine sinnvolle Alternative werden. Oberleitungs-Lkw sind sauberer und effizienter als Lkw mit Dieselantrieb. Die leisen Laster legen viele Kilometer mit geringem Energieaufwand zurück und stoßen keine schädlichen Abgase oder Treibhausgasemissionen aus. Das bestätigen uns die Untersuchungen auf Teststrecken immer wieder. Deshalb fördert das Bundesumweltministerium die Entwicklung von Oberleitungs-Lkw seit vielen Jahren. Mit der Teststrecke im Murgtal sammeln wir wichtige Erfahrungen für die Praxis und nutzen sie für den internationalen Austausch."
 

Vergleich von alternativen Antriebslösungen für schwere Nutzfahrzeuge

Winfried Hermann, Verkehrsminister in Baden-Württemberg, freut sich, dass der dafür verwendete Öko-Strom aus der Schwarzenbachtalsperre in Forbach kommt. "Mit dem im Projekt integrierten Technologievergleich werden erstmals alle derzeit erfolgsversprechenden alternativen Antriebslösungen für schwere Nutzfahrzeuge im Realbetrieb erprobt und miteinander verglichen. Das ist weltweit einmalig", remüsiert er.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat den Bau der Oberleitungen an der Bundesstraße 462 im Murgtal federführend betreut. Sylvia Maria Felder, Regierungspräsidentin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, dankte allen, die an der Planung und dem Bau beteiligt waren. Trotz herausfordernder Begleitumstände seien die Vorbereitungen für die Teststrecke nun gelungen.
 

Wissenschaftliche Begleitung durch das Fraunhofer-Institut

Die Mobilitätszentrale Baden-Württemberg, die zum Regierungspräsidium Tübingen gehört, wird den Betrieb leiten. "Unsere Aufgabe wird es sein, in den kommenden drei Jahren einen durchgehenden und vor allem sicheren Testbetrieb hier auf der Bundesstraße 462 sicherzustellen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten auf unsere neue Aufgabe vorbereitet und sind dafür, auch dank der tollen Unterstützung durch die Projektpartner und die kommunalen Partner hier vor Ort, gut gerüstet", sagte der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Das Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung leitet das Forschungskonsortium eWayBW. Deren Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme, Prof. Martin Wietschel, führt aus: "Die Begleitforschung bewertet die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen und analysiert die Akzeptanz des Pilotbetriebes. Hieraus werden wertvolle Erfahrungen für die künftige Gestaltung eines nachhaltigen Straßengüterverkehrs gewonnen."
 

Realitätsnaher Betrieb elektrischer Oberleitungs-Lkw

Ziel des Pilotprojekts eWayBW ist die Durchführung eines realitätsnahen elektrischen Betriebs von Oberleitungs-Hybrid-Lkw, um bisherige Erkenntnisse zu erweitern. Eine wissenschaftliche Begleitforschung wird vor allem Aspekte der Energieversorgung sowie Auswirkungen auf Lärm, Luftschadstoffe und straßenplanerische Maßnahmen untersuchen. Die Bundesstraße 462 im Murgtal wurde für das Pilotprojekt gewählt, weil auf der Strecke jährlich 510.000 Tonnen Papier im 24 Stunden/Sieben Tage-Betrieb von drei Papierherstellern in Obertsrot in ein Logistikzentrum in Kuppenheim im Rheintal gebracht werden. Damit ergibt sich pro Kalendertag die hohe Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. In Summe legen die Oberleitungs-Hybrid-Lkw damit pro Jahr rund 250.000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurück. Diese Randbedingungen lassen belastbare Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt erwarten.
 

28 Millionen Euro Kosten

Die Kosten für das Projekt betragen insgesamt circa 28 Millionen Euro. Darin sind Planung, Bau und Betrieb sowie die Wissenschaftliche Begleitforschung enthalten. Mit 26,4 Millionen Euro übernimmt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit dem Förderprogramm „Erneuerbar Mobil“ einen Großteil der Kosten. Der Eigenanteil des Landes beträgt rund 1,6 Millionen Euro. Damit möchte sich das Land am Forschungsprojekt beteiligen und die innovative Technik mit fördern.