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Das Foto zeigt die Aussenfassade und den Eingangsbereich des City Kaufhauses im August 2025.
Nach der Schließung wird es im Kaufhaus weitergehen.
© Stadt Gaggenau

28.8.25

Vor rund einem Jahr, am 1. August 2024 gründete sich in Gaggenau offiziell die Genossenschaft City Kaufhaus. Seitdem ist aus Sicht des Oberbürgermeisters Michael Pfeiffer viel passiert und gibt es allen Grund zum Optimismus. Dennoch ist die Stimmung in Gaggenau teilweise gedrückt und wird Kritik an der Genossenschaft laut. Wir haben uns mit dem Stadtoberhaupt zur aktuellen Situation und vor allem zur Zukunft des Kaufhauses ausgetauscht.

 

Letzte Woche haben sich Aufsichtsrat und Vorstand erneut zu einer Sitzung getroffen. Was war da Thema?

Eigentlich wollten Bürgermeister Paul und ich über die Gespräche mit dem Investor berichten. Diese Gespräche stimmen uns nämlich sehr zuversichtlich. Hauptthema waren dann aber die Berichte der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, die bedauerten, dass derzeit viele Gerüchte im Umlauf seien und die Arbeit der Genossenschaft kritisiert werde.

 

Welche Kritik gibt es?

In der Hauptsache wird kritisiert, dass die Genossenschaft aktuell angeblich wenig aktiv sei und sich nicht mehr um das Kaufhaus kümmere. Zudem werden Zweifel an den Kompetenzen der Vorstandsmitglieder geäußert. Diese Kritik trifft die Verantwortlichen sehr. Ich war selbst geschockt von den Berichten. Es kann nicht sein, dass hoch kompetente Menschen, die sich hier ehrenamtlich engagieren und viel Zeit und Herzblut investieren, angegriffen werden. 

 

Trotzdem hört man natürlich derzeit wenig von der Genossenschaft.

Das ist richtig. Heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass nichts läuft. Im Gegenteil. Herr Paul und ich sind derzeit mindestens einmal pro Woche im Gespräch mit dem Investor und fast genauso oft mit einem möglichen Betreiber. Über solche Gespräche kann man aber leider nicht berichten, um die Verhandlungen nicht zu gefährden bzw. auch um diese Interessenten zu schützen. Wir haben das Ziel, bis zum 24. September bei der Mitgliederversammlung Pläne vorlegen zu können.

 

Warum führt diese Gespräche der Oberbürgermeister und Bürgermeister?

Der Vorstand begleitet diese Gespräche; aber letztlich geht es aktuell vorrangig um die Frage, findet sich ein Käufer für das Kaufhausgebäude. Es war noch nie ein Ziel der Genossenschaft ein Gebäude zu kaufen. Sie hat sich gegründet, um den bisherigen Kaufhausbetrieb zu erwerben.

 

Warum ist das aus Ihrer Sicht gescheitert?

Aus drei Gründen: zum einen ist der Sanierungsbedarf des Gebäudes deutlich höher als wir das noch vor einem Jahr alle zusammen angenommen haben. Höherer Sanierungsbedarf bedeutet auch höhere Mieten. Das hätte sich die Genossenschaft nicht leisten können und hätte sämtliche Überschüsse, die das Kaufhaus erwirtschaftet hätte, schlicht aufgefressen. Deshalb wurde es notwendig einen Investor zu finden. Auch steigende Personalkosten wären nicht zu stemmen gewesen, aber unweigerlich auf die Genossenschaft zugekommen.

 

Die Genossenschaft hat doch gut eine Million Euro gesammelt?

Richtig. Dieses Geld ist für den Betrieb des Kaufhauses gedacht. Das heißt man wollte mit einem großen Teil der Summe auch den vorhandenen Warenbestand übernehmen. Es hat sich dann aber nach der Wirtschaftsprüfung gezeigt, dass es nicht verantwortbar wäre, den Betrieb so zu übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrats sind in der Pflicht verantwortungsvoll mit dem anvertrauten Geld umzugehen. Die Genossenschaft hatte bereits eine Absichtserklärung erarbeitet, die die jetzigen Betreiber viele Wochen aber nicht unterschrieben haben. Das war der dritte Grund warum der ursprüngliche Plan nicht mehr verfolgt werden konnte.

 

Was wäre passiert, wenn sich die Stadt nicht um einen Investor bemüht hätte?

Die Genossenschaft hätte die aufgerufene Miete nicht bezahlen können und die Immobiliengesellschaft hätte vermutlich an zahlungskräftigere Mieter vermietet. Es wäre das Ende des Kaufhauses gewesen und wir hätten in Gaggenau vermutlich damit leben müssen, dass mitten auf dem Marktplatz Läden gewesen wären, die wir nicht wollen.

 

Kann sich Gaggenau dann auf Besseres freuen?

Das hoffe ich, denn dafür kämpfe ich mit Bürgermeister Paul und den Verantwortlichen der Genossenschaft. Es war unser Ziel ein Kaufhaus für Gaggenau zu erhalten und daran hat sich nichts geändert. Das Ziel ist gleich, nur der Weg ist ein anderer geworden, weil wir vor einem Jahr noch nicht wussten, wie viele Steine uns in den Weg gelegt werden.

 

Das heißt nun also konkret?

Wir haben einen Investor, der sehr großes Interesse hat, das Gebäude zu erwerben und zu sanieren. Und wir haben einen interessierten Betreiber, der die komplette jetzige Kaufhausfläche übernehmen möchte.

 

Wenn es so kommt, war dann die Genossenschaft überflüssig?

Nein!!! Auf gar keinen Fall. Dieses Engagement von über 1800 Menschen das beeindruckt alle: Investoren wie Betreiber, weil es zeigt wie wichtig den Menschen hier in Gaggenau ihr Kaufhaus ist. Im letzten Jahr hat die Genossenschaft Aufbruchsstimmung verursacht und diese Euphorie, dass man gemeinsam etwas bewegen kann, dürfen wir jetzt nicht verlieren, nur weil es etwas anders läuft als wir es uns alle zu Beginn ausgemalt haben.

 

Sie sehen also eine Zukunft für die Genossenschaft?

Ja, denn wir sind mittendrin in den Planungen und noch auf dem Weg zum Ziel. Dieses heißt - und da wiederhole ich mich gerne „ein Kaufhaus für Gaggenau“. Wir brauchen den Rückhalt der Menschen und damit der Genossenschaft, wenn wir für Gaggenau und auch für die Mitarbeiter des Kaufhauses etwas erreichen wollen.

 

Was wünschen Sie sich?

Ganz ehrlich: Weniger Kritik und mehr Vertrauen in die Menschen, die hier Verantwortung übernommen haben. Anfeindungen und Verbalattacken helfen uns nicht weiter, wenn wir das Kaufhaus und die Arbeitsplätze erhalten wollen. Wir brauchen wieder mehr Gemeinschaftsgeist.

Zum Interview gibt es auch ein Video auf dem städtischen YouTube-Kanal.