15.12.25
Die Schäden durch Wildschweine in Gaggenau haben in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen. Insbesondere umgepflügte Streuobstwiesen machen den Grundstückseigentümern zu schaffen.
Die Stadtverwaltung hat deshalb erneut die Jagdpächter und Ortsvorsteher insbesondere als Vertreter der Grundstückseigentümer, den Forst, die Wildforschungsstelle sowie die untere Jagdbehörde des Landkreises Rastatt zu einem Runden Tisch eingeladen. Gemeinsam wurde darüber beraten, wie Wildschäden minimiert werden können. Hier einige Fragen und Antworten:
Warum hat die Stadtverwaltung zum Runden Tisch Wildschäden eingeladen?
Die Stadtverwaltung will zeigen, dass sie die Anliegen der Grundstückseigentümer und der Jagdpächter ernst nimmt. Zwischen Grundstückseigentümern und Jagdpächtern gibt es einen Interessenkonflikt: Die meisten Grundstückseigentümer wollen, dass das Schwarzwild stärker gejagt wird. Die Jagdpächter hingegen wünschen sich mehr freie Flächen, auf denen sie besser jagen können. Außerdem fühlen sie sich in der Ansitzjagd gestört durch vermehrte Freizeitaktivitäten auch bei Dunkelheit. Ziel des Runden Tisches ist es unter anderem, im Gespräch Verständnis füreinander aufzubauen und gemeinsam zu Lösungen zu kommen.
Welche Wildschäden treten in Gaggenau am häufigsten auf?
Am häufigsten sind es die Wildschweine, die ganze Gärten umpflügen. Besonders betroffen ist der Gaggenauer Stadtteil Selbach. Aber auch in den anderen Stadtteilen wütet das Schwarzwild. Die Wildschweine haben sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt, begünstigt durch die milden Winter. Die Tiere finden dann besonders viel Futter. Man spricht deshalb von Mastjahren.
Wo liegt das Problem?
Viele Wiesen wachsen mit Brombeerhecken zu und bieten dadurch einen idealen Rückzugsort für Wildschweine. Sämtliche Streuobstwiesen müssen dauerhaft freigehalten werden. Doch viele Eigentümer können das aus verschiedensten Gründen nicht leisten. Oft werden Äpfel und Birnen nicht mehr geerntet. Menschen zu finden, die diese wertvolle Kulturlandschaft pflegen und bewirtschaften wollen, ist aber nicht leicht.
Was tun, wenn auf ihrem Grundstück ein Wildschaden entstanden ist?
Bewirtschafter haben eine Woche nach Kenntnisnahme des Schadens Zeit, um einen Wildschaden bei der Stadt zu melden. Ist der Schadensfall angemeldet, erhalten sie eine Bescheinigung als Nachweis für ein mögliches späteres Gerichtsverfahren. Die Gebühr beträgt derzeit 10 Euro, ab Januar 2026 15 Euro. Die Stadt gibt zunächst dem Jagdpächter den Schaden bekannt. Kommt es daraufhin zu keiner Einigung über die Schadensbeseitigung, kann auf Antrag ein neutraler Wildschadensschätzer eingeschaltet werden. Den Gütetermin organisiert die Stadt. Grundstückseigentümer können sich auch direkt mit dem Jagdpächter in Verbindung setzen.
Der Jagdpächter ist zum Schadensersatz verpflichtet. Wie wird das in Gaggenau gehandhabt?Hauptsächlich geht es in Gaggenau um Wiesen und Gartengrundstücke, die zerwühlt werden. Diese müssen im bejagbaren Bereich, also außerhalb der Wohngebiete liegen. Die Jagdpächter lassen die Grundstücke wieder einebnen. Dies geschieht in der Regel im Frühjahr vor der Wachstumsperiode. Entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, so regeln die Grundstückseigentümer und Jagdpächter dies im persönlichen Gespräch. Ziel ist, dass sich beide Seiten gegenseitig unterstützen und beraten, um Wildschäden abzuwehren. Dies ist im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz so festgelegt.
Zu was ist der Grundstückseigentümer noch verpflichtet?
Er muss dafür sorgen, dass keine Folgeschäden entstehen. Das bedeutet: Wurde zum Beispiel durch Wildschweine Saatgut zerstört, muss er nachsäen, wenn dies noch möglich ist. Fallobst und Mähgut müssen von den Streuobstwiesen abgeräumt werden. Außerdem müssen die Grundstücke regelmäßig gemäht werden.
Warum ist es wichtig, Streuobstwiesen zu pflegen?
Fallobst und Mähgut, das verrottet, locken die Wildschweine an. In verrottenden Stoffen vermehren sich Käfer und Würmer: ein Leckerbissen für Borstentiere. Und: Wachsen die Wiesen zu, finden Wildschweine gute Verstecke für sich. Fühlen sie sich sicher, lassen sie sich dauerhaft in den Streuobstwiesenbereichen nieder und nicht mehr im Wald, in ihrem natürlichen Lebensraum.
Zu welchem Ergebnis sind die Beteiligten gekommen?
Der Wildschweinplage kann man nur beikommen, indem die Tiere stärker bejagt werden. Wirkungsvolle andere Mittel, um die Schwarzkittel zu vergrämen, gibt es aus der Sicht der Experten nicht. Außerdem würden sich die Tiere dann an anderer Stelle niederlassen und dort Schäden anrichten. Damit wäre das Problem nur verlagert.
Wie geht es mit dem Runden Tisch Wildschäden weiter?
Er soll in unregelmäßigen Abständen wieder einberufen werden, wenn Gesprächsbedarf besteht.
An wen kann ich mich im Fall eines Wildschadens wenden?
Die Ansprechpartner sind in der städtischen Abteilung Liegenschaften. E-Mail: liegenschaften@gaggenau.de, Telefon 07225 962-501. Weitere Informationen: www.gaggenau.de/wildschaden
